Die Gestirne von Eleanor Catton*

Seiten:  1036 / Verlag: btb / Hier Kaufen

Walter Moody ist gerade erst in Neuseeland angekommen, da wird er auch schon in einen geheimnissvollen Kriminalfall um einen toten Einsiedler und eine Hure, die sich das Leben nehmen wollte, verwickelt. Der Goldrausch hat das kleine Städtchen Hokitika völlig im Griff und schnell stellt sich heraus, dass noch viel mehr Leute in die Sache verwickelt sind, als am Anfang gedacht.

Neuseeland, 1866. Das Land ist im Goldrausch. Die Würfel werden jeden Tag neu geworfen und jeder hat die Chance auf den großen Fund. Doch der Alltag der meisten Menschen besteht aus Dreck und harter Arbeit. Als eines Tages der Einsiedler Crosbie Wells verstirbt und in seinem Haus eine große Menge Gold gefunden wird, glauben viele in Hokitika nicht mehr daran, dass er sich wirklich totgetrunken hat.

Die Geschichte wird Walter Moody erzählt, einem Neuankömmling der aus Versehen in die geheime Versammlung der wichtigsten Menschen in Hokitika gestolpert ist. Jeder der Anwesenden legt seine Nachforschungen und früheren Erlebnisse die relevant sein könnten vor ihm dar. Langsam bildet sich – für die Charaktere, wie auch für den Leser – eine zusammenhängende Geschichte heraus. Die aber noch mehr Fragen aufwirft als beantwortet.

Doch auch die äußere Sphäre dreht sich weiter – die grenzenlose Gegenwart, die die begrenzte Vergangeheit umfängt. Diese Geschichte wird mit vielen Anspielungen und wiederholtem Nachdruck Walter Moody erzählt – und Benjamin Löwenthal, der zu den Anwesenden im Raucherzimmer des Crown Hotel zählt, hört Teile der Geschichte zum ersten Mal.

Moody beschleißt sein Glück als Goldsucher zu versuchen und bleibt in Hokitika. Doch der geheimnisvolle Tod von Crosbie Wells scheint noch nicht gelöst zu sein, taucht doch plötzlich seine Witwe Lydia auf und auch der Bootskapitän Francis Carver scheint verwickelt zu sein. Und wie passt eigentlich der junge Goldsucher Emery Staines mit hinein, der seit diesem verhängnissvollen 14. Januar verschwunden ist und eine sehr enge Beziehung zu Anna zu haben schien?

Das Buch bietet eine Melange an unterschiedlichsten Charakteren aus allen Erdteilen und Gesellschaftschichten. Rassimus und allgemeine Missgunst sind allgegenwärtig und bestimmen die Handlungen der einzelnen Mitglieder. Es bilden sich aber auch überraschende Allianzen heraus, denn in einer Stadt in der das Glück – oder ein eiskalter Charakter – einen mehr weiterbringen kann als harte Arbeit, sind doch alle gleich. Selbst die Liebesbeziehung zwischen Anna und Emery scheint hier perfekt hineinzupassen – eine Hure und ein Goldsucher, das perfekte Paar?

Liebe lässt sich nicht auf einen Katalog von Gründen zurückführen, und ein Katalog von Gründen lässt sich nicht zu Liebe zusammensetzen. Jeder, der anderer Ansicht ist, hat noch nie geliebt – nicht wahrhaftig.

Catton beschreibt die Atmosphäre dieser umwälzenden Zeit sehr gut, die zwischen Wohlstand und Armut hin und her schwankt und jeden Moment vorbei sein könnte. Die Schönheit Neuseeland kommt nicht zu kurz, vor allem wenn wir sie durch die Augen und die Gedanken des Maori Te Rau Tauwhare sehen, für den alles in einem viel größeren Zusammenhang steht.


Die Gestirne ist ein Krimi der anderen Art. Viele Personen und ihre Geheimnisse lassen den Zuschauer lange rätseln und verschleiern die verschiedenen Zusammenhänge. Walter Moody, als Neuankömmling, bietet den Fixpunkt und fasst immer wieder die einzelnen Erkenntnisse zusammen. Die Verbindung zu den Sternbildern war für mich im Text kaum erkennbar und hätte auch weggelassen werden können. Auch die Beschreibung des Buchrückens „Und zwei Liebende, die einander umkreisen wie Sonne und Mond“ fand ich etwas übertrieben zu dem, was dann im Text vorkam. Der letzte Teil des Buches, der die Geschichte von Anna und Emery Staines erzählt, war meiner Ansicht nach schlecht strukturiert da die kleine Zusammenfassung am Anfang jedes Kapitel des Inhalt schon genau wiedergab. Allgemein fand ich dieses Stilmittel unnötig, da es den einzelnen Kapitel oft Spannung wegnahm. Trotz allem konnte mich die Geschichte über seine 1000 Seiten interessieren. Und als Fazit kann ich nur sagen: Es sollten mehr Romane in Neuseeland und Australien spielen.

*Vielen Dank an den btb Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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