Vom Winde verweht von Margaret Mitchell

Seiten: 826 / Verlag: Rütten & Loening / Hier Kaufen

Die sechzehnjährige Südstaaten-Schönheit Scarlett O’Hara wird von allen jungen Männern umschwärmt. Doch ihr Herz gilt Ashley Wilkes; auch als dieser sich mit Melanie verlobt. Doch ihr verletzter Stolz wird bald zur Nebensache, als der Bürgerkrieg ausbricht. Statt Gartenfeste und schöner Kleider gibt es nur noch Entbehrungen und Angst. Und Rhett Butler, einen unausstehlichen Charmeur, der selbst am Untergang seiner Heimat mitzuverdienen weiß.

Vom Winde verweht ist einer der Klassiker der Weltliteratur, der auch durch seine Verfilmung mit Vivien Leigh und Clark Gable als Scarlett und Rhett im Gedächtnis bleibt. Doch nicht nur die beiden Romanfiguren führten eine Hassliebe, sondern auch die beiden Darsteller waren von einer Freundschaft weit entfernt.

Scarlett O’Hara ist das Symbol der Südstaaten: schön, feurig, aus guter Familie. Nur einem reicht das nicht, um um ihre Hand anzuhalten. Ashley Wilkes ist der verträumte Sohn eines Plantagenbesitzers, der wenig mit den trinkfreudigen Raufbolden gemein hat, die die Südstaaten hervorbringen und auch sonst mehr mit dem Kopf als mit den Händen arbeitet.

Nachdem der Krieg vorbei ist, müssen sich alle neu orientieren und viele alteingesessene Familien stehen vor dem Ruin. Mit List und unermüdlicher Kraft kämpft Scarlett für ihre Familie, Freunde und um ihre Plantage Tara. Heimat ist ein großes Thema in dem Roman. Niemand will sie zurücklassen, niemand will sie aufgeben.

Die warme, balsamische Feuchtigkeit des Frühlings, der frische Duft des gepflügten Ackers, der Sonnenuntergang waren für Scarlett nichts Wunderbares. Sie nahm all die Schönheit so gedankenlos hin wie die Luft, die sie atmete, und das Wasser, das sie trank. […] Doch die friedvolle Dämmerung über Taras Feldern brachte ihrem verwirrten Gemüt ein wenig Ruhe. Ohne es zu wissen, liebte sie ihre Heimat so innig wie das Angesicht ihrer Mutter unter der Lampe zur Stunde der Abendandacht.

Von Anfang an gibt es einen klaren Kontrast: Südstaaten gut, Nordstaaten schlecht. Während sich ehemalige Plantagenbesitzer mühselig durchs Leben schleppen und ihren Stolz und die Wut auf die Yankees bewahren, stellt sich Scarlett mit ihnen gut. Verachtung empfindet sie für ihre Besatzer, aber kann es sich nicht leisten diese offen zu zeigen. Und wird so zum roten Tuch für ihre ehemaligen Freunde.

Margaret Mitchell präsentiert die Konföderierten im besten Licht. Als gütige, gerechte Sklavenbesitzer und mutige Soldaten und selbst der Ku-Klux-Klan hat bei ihr nur den Wunsch seine Frauen vor den gierigen Händen freigelassener Sklaven oder Blauröcken zu beschützen.

Neben einer solchen Weichzeichnung der Sklaverei und des Rassismus und dem heroischen Überlebenskampf der alten Südstaaten, tritt die Beziehung zwischen Rhett und Scarlett fast in den Hintegrund. Eigentlich wären die beiden ein perfektes Paar mit ihrem Stolz und dem stetem Verlangen nach Geld und Macht. Er bietet ihr einen Ausweg aus der einengenden Gesellschaft der Südstaaten, deren Regeln einem heutzutage völlig absurd erscheinen. Doch während Rhett seine Beweggründe und Taten völlig rational einzuschätzen und vor allem die Menschen zu umgarnen weiß, hasst Scarlett den Blick in den Spiegel, den Rhett ihr präsentiert.


Eine große Liebesgeschichte vor dem Geschehen des amerikanschen Bürgerkriegs. Die Charaktere überraschen durch ihre Vielschichtigkeit und unterschiedlichen moralischen Nuancen in der Bewältigung ihrer Situation. Rhett und Scarlett sind kein liebevolles Paar, sondern reiben sich stetig aneinander und werden doch durch ihre Kompromisslosigkeit und eigenen Gerechtigkeitssinn verbunden. Das Leseerlebnis, sonst äußerst mitreißend, wird aber von der übertrieben positiven Darstellung der Südstaaten und ihrer Lebensweise überschattet. Mitchell stellt all die schrecklichen Seiten des Rassismus als reines Missverständnis dar. Nachvollziehbar wenn man den Zeitpunkt der Veröffentlichung bedenkt, aber für den heutigen Leser mehr als nur ein bisschen Salz in der Suppe.

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