(Kein) Brot für die Welt / Von Schafen und Seemonstern #1

Wer mein Favoriten-Video am Sonntag gesehen hat, weiß, dass ich seit Ende Januar in Schottland wohne. (Wer es noch nicht gesehen hat, hier aufhören zu lesen und schnell zum letzten Beitrag) Deswegen gibt es ab heute eine neue Kategorie namens Von Schafen und Seemonstern, in der ich euch ein bisschen in meinen Alltag hier mitnehme und die kleinen Unterschiede zwischen den Kulturen etwas genauer betrachte.

Als ich im November das erste Mal nach Schottland flog, hatte ich eine Sache im Gepäck, auf die sich mein Freund wahrscheinlich mehr freute, als auf mich: Sonnenblumenkernbrot. Denn auch wenn man sonst eher nicht auf typisch deutsches Essen – wie Weißwurst und Sauerkraut oder Eisbein – steht, sind sich doch alle einig: Niemand außer uns kann ordentliches Brot backen.

Kartoffelbrot, Zwiebelbrot, mit Sonnenblumenkernen, Möhren oder Chiasamen. Nur eine kleine Auswahl von Sorten und Zutaten die man in den Regalen eines deutschen Bäckers findet. Ein Blick in den schottischen ALDI zeigt einem zwar auch ein volles Regal, aber es ist doch immer das gleiche, toast-artige Brot. Von mir auch gerne liebevoll „Die Zieharmonika“ genannt. Denn man kann es  genauso gut auf die Hälfte seiner Größe zusammendrücken und hat ungefähr soviel Energiehalt wie die Luft im Instrument.

Erklärungen dafür, wieso Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern so eine Auswahl an verschiedenen Sorten entwickelt hat, scheinen in der Geschichte zu liegen. In England konnten sich lange nur die Reichen feingemahlenes Getreide leisten, dass man dann zu Toast verarbeitet. Es war also ein Standesmerkmal. Deutschland hingegen war in zahlreiche kleine Königreiche, Grafschaften und ähnliches zersplittert. Wollte man Waren über die Grenze transportieren, mussten hohe Zölle gezahlt werden. So mussten sich die Menschen mit den Möglichkeiten und Zutaten ihrer Umgebung begnügen und entwickelten ihre eigenen Rezepte.

Anders als in Deutschland floriert in Großbritannien aber die Sandwichkultur. In jedem Supermarkt gibt es mindestens ein Kühlregal in denen zahlreiche verschiedene Sandwiches für jeden Geschmack angeboten werden. Das Brot tritt einfach in den Hintergrund; es ist die Halterung, die Verpackung für den umso kreativeren Belag dazwischen.

Die Deutschen im Ausland sind sogar so versessen auf ihr typisches Brot, dass sie ganze Bäckereien eins zu eins mitbringen. So findet man zum Beispiel im Rotlicht-Viertel Kings Cross von Sydney einen Lüneburger Bäcker. Auch wir halten natürlich bei jedem Supermarkt-Besuch die Augen offen und freuten uns – man mag es kaum zugeben – wie kleine Kinder, als wir ein „Traditional German Bread“ in der M&S Foodhall entdeckten.

Wie seht ihr das? Ist man typisch deutsch und spießig wenn man jedes andere Brot als ungenügend ablehnt? Oder ist es das unstillbare Heimweh, dass selbst erwachsene Männer und Frauen sich nach den Schulbroten ihrer Kindheit sehnen lässt?

Welches Essen aus der Heimat vermisst ihr am meisten wenn ihr im Ausland seid?

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Ein Gedanke zu “(Kein) Brot für die Welt / Von Schafen und Seemonstern #1

  1. Herzliche Grüße aus dem Land der Baguettes 😀 Immerhin gibt’s hier gelegentlich dunkleres Brot zu kaufen, da freut man sich über jede Entdeckung. Das mag typisch deutsch sein, aber spießig nicht, wir sind es eben nur anders gewohnt 😉

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