Rezension / Kennen Sie diesen Mann? von Carl Frode Tiller*

Seiten: 352 / Verlag: btb / Hier Kaufen

David hat sein Gedächtnis verloren und fordert in einer Zeitungsannoncce seine Freunde und Familie auf ihm Briefe zu schreiben. Es melden sich drei Personen aus seiner Vergangenheit: Sein ehemaliger bester Freund Jon, seine Ex-Freundin Silje und sein Stiefvater Arvid.

Eine abwesende Hauptfigur ist eine ungewöhnliche Prämisse für einen Roman. David, der sein Gedächtnis verloren hat, taucht im gesamten Roman nur als Nebenfigur auf. Stattdessen erfahren wir viel mehr über seine Freunde und Familie und wo deren Leben sich hinentwickelt haben. Denn auch wenn diese Menschen in Davids Jugend eine wichtige Rolle spielten, gibt es mittlerweile keine Verbindung mehr zwischen ihnen.

Die Briefe der Figuren wechseln sich mit Ausschnitten aus ihrem Leben ab. Dabei fällt auf, dass sich die Charaktere untereinander auf komplett unterschiedliche Weise sehen und erinnern. Während die Teenager ihre morbide Faszination für den Tod, Chaos, die Freizügigkeit der Beat-Generation und die Ablehnung ihrer engstirnigen Kleinstadt glorifizieren, betrachten wir aus Arvids Augen dieses Verhalten mit Sorge. Was vielleicht nur normales, aber etwas übetriebenes Teenager-Verhalten sein könnte, nimmt aber schnell grausame Züge an und lässt auf tiefergehende psychologische Probleme schließen

Der Roman beschreibt das Aufwachsen von Jugendlichen in einer typischen Kleinstadt, in der sie versuchen ihre Kreativität auszuleben. Sie belächeln Jons und Davids Eltern für ihre Spießigkeit und bewundern Siljes übertrieben boheme-hafte Mutter. Doch während Silje und David ihre Heimat hinter sich lassen, bleibt Jon zurück; vergrämt und desillusioniert.


Tiller hat eine ungewöhnliche Art ausgewählt, um seinen Roman zu strukturieren. Eine abwesender Hauptcharakter, abwechselnd Briefe und Einblicke in das aktuelle Leben der Figuren. Seine Teenager sind kreativ und von ihrer Heimatstadt gelangweilt bis zu einem Punkt, der sich destruktiv auswirkt. Am Ende bleibt die Frage offen, ob auch sein Gedächtnisverlust nur ein weiteres Kunstprojekt Davids ist; ein Ausdruck seines verstörten psychischen Zustands. Eine Sache, die mich allerdings beim Lesen gestört hat war der Schreibtstil in denen wir die Figuren aktuell begleiten. Der Autor versucht sehr nah am naürlichen Sprechen zu bleiben und nutzt sehr wenig Interpunktion was das Lesen schnell anstrengend werden lässt.

*Vielen Dank an die Randomhouse-Verlagsgruppe für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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