Rezension / Der begrabene Riese von Kazuo Ishiguro

Seiten: 414 / Verlag: Blessing / Hier Kaufen

Ein verhängnisvoller Nebel des Vergessens liegt über dem Britannien des 5. Jahrhunderts. Axl und Beatrice machen sich auf ihren Sohn zu finden, bevor sie ihre Erinnerungen vollends verlieren. Auf ihrer Reise treten Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit zu Tage – von Liebe, Krieg und Rache – und die Frage stellt sich, ob das Land ohne Erinnerungen vielleicht ein friedlicheres ist.

Kazuo Ishiguro ist bekannt für seine eindringlichen Romane wie „Was vom Tage übrig blieb“ und „Alles, was wir geben mussten“. In seinem neusten Werk wendet er sich erstmals dem Fantasy-Genre zu und begleitet seine Figuren durch ein Britannien in dem Arthur und seine Ritter keineswegs nur Sagengestalten sind.

Nach den kurvenreichen Sträßchen und beschaulichen Wiesen, für die England später berühmt wurde, hättet ihr lange gesucht. Gefunden hättet ihr stattdessen endlose Weiten, ödes, unbestelltes Land; hier und dort einen Saumpfad über felsiges Bergland, durch karges Moor.

Axl und Beatrice sind ein gealtertes Ehepaar, deren Erinnerungen – wie die ihrer Freunde und Nachbarn – immer unzuverlässiger werden. Eines Tages brechen sie auf eine Reise zu ihrem Sohn auf, der in einem der Nachbardörfer wohnen soll. Auf dem Weg treffen sie auf Ritter, Mönche und Monster und erfahren, dass die friedvolle Ko-Existenz von Briten und Sachsen auf wackligen Beinen steht.

Die Auswahl der Hauptpersonen – ein altes Ehepaar – ist interessant und gibt der Geschichte eine Atmosphäre, die sich von vielen Fantasybüchern unterscheidet. Denn kein holder Ritter reitet locker-flockig durch die Gegend um gegen Ungeheuer zu kämpfen. Stattdessen quälen sich diese beiden Menschen Schritt für Schritt durch die karge Gegend, müssen öfter pausieren und haben auch sonst eine ganz andere Anschauung des ganzen Chaos um sie herum.

„Du fürchtest dich nicht vor schlimmen Erinnerungen, Herrin?“ „Was gäbe es da zu fürchten, Pater? Was Axl und ich heute füreinander im Herzen empfinden, ist der Beweis, dass der Weg, der uns hierher geführt hat, keine Gefahr für uns bergen kann, auch wenn ihn jetzt der Nebel zudeckt.“

Es ist eine beschwerliche, abenteurliche Reise, die die Figuren unternehmen. Es ist ein Fantasy-Roman der etwas anderen Art, den Ishiguro hier geschrieben hat. Vielleicht liegt es daran, dass ich die dezente Art des unrealistischen in „Alles, was wir geben mussen“ so anziehend fand, aber die plakativen phantastischen Elemente in diesem Roman empfand ich eher als störend. Es hätte eine wunderbare Liebesgeschichte werden können, wäre der Autor ein wenig enger am Genre der Historical Fiction geblieben.


Auch wenn Axl und Beatrices Reise eine schöne Liebesgeschichte ist, konnte mich der Roman leider nicht vollends überzeugen. Der Anstrich aus Magischem Realismus ode Fantasy, den Ishiguro seinem Roman verpasst hat, empfand ich als fehl am Platze. Drachen, König Artus und seine Ritter sind in der Geschichte Britanniens zwar tief verwurzelt, haben für mein Empfinden aber die Botschaft dieser Geschichte etwas abgeschwächt und hinter die phantastischen Elemente zurückgedrängt.

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