Rezension / Jonathan Lee – Wer ist Mr Satoshi?*

Seiten: 317 / Verlag: btb / Hier Kaufen

Als seine Mutter stirbt, hinterlässt sie Foss eine Schachtel die für einen gewissen Mr Satoshi bestimmt ist. Obwohl er nach einem Unfall kaum noch das Haus verlässt, überwindet er sich und fliegt nach Japan um sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Mann aus der Vergangenheit seiner Mutter zu begeben.

Nach dem Tod seiner Frau hat sich Foss, ein bekannter Fotograf, komplett zurückgezogen. Das Haus verlässt er nur, wenn er seine Mutter im Pflegeheim besucht. Nach ihrer Beerdigung findet Foss ein Päckchen in ihrer Wohnung, adressiert an einem Mr Satoshi in Japan. Was für Geheimnisse konnte diese gutbürgerliche Hausfrau gehabt haben? Foss überwindet seine Ängste und fliegt nach Japan, entschlossen, diesen Mann ausfindig zu machen.

Eine Detektivarbeit, die Foss zu einem Thema bringt, dass mir noch nicht so oft untergekommen ist in der Literatur: Die Besetzung Japans durch Allierte Truppen nach dem 2. Weltkrieg. Ein dunkles Kapitel, dass so einige totgeschwiegene Ereignisse für Foss bereit hält.

Das Leben meiner Mutter. Flach, geregelt und ruhig. Das Leben einer gescheiten, häuslichen, positiv denkenden Frau mit einem stabilisierenden Sinn fürs Praktische, einem ausgeprägten Vertrauen in die Kräfte des Kochens, Putzens und Aufräumens. Geboren 1929, verehelicht 1959, geschieden 1988, gestorben 2009. Kannte ich die Form, Farbe und Textur des Lebens zwischen diesen Daten?

Zusammen mit Foss erlebt der Leser die kulturell komplett unterschiedlichen Gesichter Japans: Vom glitzernden, geschäftigen Tokio geht es in verschneite Bergdörfer. Er lernt einen ehemaligen Sumoringer kennen, schläft in einem Love-Hotel und prügelt sich in einem Sushi-Restaurant. Die Sprache ist teilweise sehr poetisch und passt meiner Meinung nach nicht ganz zu der realistischen, detektivischen Atmosphäre des Romans. Aber auch das kann man als Anspielung auf die japanische Kultur verstehen, dessen Dichter ihre Ausdruckweise in den knappen, aber lyrischen Haikus finden.

Foss‘ Suche hält einige Überraschungen für ihn bereit und er erkennt, dass seine Mutter noch viel mehr Facetten hinter ihrer ruhigen, häuslichen Art hatte, als er ahnte. Langsam verlässt er Stück für Stück sein Schneckenhaus um sich ihrer und seiner eigenen Vergangenheit zu stellen.


Ein Roman zwischen Detektiv- und Familiengeschichte, zwischen Poesie und Nüchternheit. Kennen wir die Menschen, die uns am Nähesten stehen, wirklich? Nein, selbst diese hegen Geheimnisse. Foss bekommt die Möglichkeit, eine Seite seiner Mutter kennenzulernen, die sein Bild von ihr als ruhige Hausfrau ins Wanken bringt. Ein Roman, der mich zwar nicht 100% überzeugen konnte, aber trotzdem mit interessanten Figuren und einer spannenden Geschichte dienen kann.

* Dieses Buch wurde mir freundlicher Weise von der Randomhouse Verlagsgruppe als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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