Rezension / Mary McCarthy – Die Clique

Seiten: 440 / Verlag: Droemer & Knaur / Hier Kaufen

Eine Gruppe amerikanischer Collegeabsolventinnen in den 30ern und ihr Leben zwischen Arbeit, Familie und eigenen Träumen.

Als eine Gruppe von Mädchen 1933 ihre Ausbildung am Vassar College abschließt, hegen alle eine Menge Träume für ihre Zukunft. Doch schon bald laufen eine nach der anderen in den Hafen der Ehe ein, wenden sich neuen Freunden zu oder verschwinden in andere Teile der Welt. In ihrem Roman Die Clique, begleitet Mary McCarthy diese Mädchen in den Jahren nach ihrer Graduation. Mit amüsantem Ton beschreibt sie die Rückschläge und negativen Erfahrungen der jungen Frauen, denen angeblich die ganze Welt offenstehen sollte, schreibt offen über miese erste Male und fremdgehende Ehemänner und die Kluft zwischen Arm und Reich, die auch in diesen Freundschaften nicht ignorierbar ist.

Wie benahm man sich eigentlich, wenn der Ehemann mitten in der Wirtschaftkrise plötzlich zum Heer der Arbeitslosen zählte?

McCarthys Buch wird von Candance Bushnell, der Macherin von Sex and the City, als Vorbild für ihre Serie genannt und die Ähnlichkeiten sind groß. Offener als es die Sittenwächter in den 60er wollten, redet die Autorin über die Themen, die Frauen beeinflussen: Sex, Männer, Kinder kriegen und die eigenen Träume hintenan zu stellen. Geistreich und mit Humor werden diese Themen diskutiert, die einengenden Konventionen angeprangert, die die Frauen an den Herd und an ihre Ehemänner binden. Aber auch die Ängste, verursacht durch Krieg und Wirtschaftskrise beeinflussen die jungen Frauen, lenken ihre Aktionen und sind immer omnipräsent.

Die Rollen waren vertauscht, die Tochter wollte sich Hals über Kopf in eine „anständige“ Ehe stürzen, während die Mutter sie beschwor, einen „unanständigen“ Wüstling aufzusuchen.

Kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges treffen die Mädchen wieder aufeinander – manche verheiratet, geschieden, mit Kindern oder alleinstehend – und es scheint nur die eine Person wirklich glücklich zu sein, die den ganzen Roman nur im Hintergrund aufgetaucht war, die Amerika hinter sich gelassen hat und in Europa wirklich frei gelebt hat: Lakey. Ein dramatisches Ende folgt; ein verzerrtes Spiegelbild des romantischen Anfangs und damit ein perfekter Schlußpunkt des Ganzen.


Eine Generation, hin und her gerissen zwischen dem Streben nach Individualismus und Sicherheit, mit den besten Vorraussetzungen es in der Welt zu schaffen und den einengenden Moralvorstellungen ihrer Zeit. Wir lesen von Herzschmerz und Betrug, von verdrängter Vergewaltigung und Homosexualität. Ein Roman, der offen über Probleme zu reden vermag.

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2 Gedanken zu “Rezension / Mary McCarthy – Die Clique

  1. Ich habe das Buch zwar im Regal stehen, aber in letzter Zeit immer wieder vergessen. Aber eigentlich klingt es doch so toll, ich muss es wirklich bald mal lesen. Vom Thema her erinnert es mich sehr an „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath und das Buch liebe ich gar sehr.

    • Ich würde dir empfehlen, es ganz weit vor zu schieben auf deiner Leseliste. 🙂 „Die Glasglocke“ fand ich übrigens auch sehr toll und du hast recht, die beiden Bücher vermitteln eine ähnliche Stimmung.

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