Rezension / Frank McCourt – Ein rundherum tolles Land. Erinnerungen

Seiten: 488 / Verlag: Luchterhand Literaturverlag / Hier Kaufen

Ein junger Ire, der im New York der 50er sein Glück machen will. In seinen Erinnerungen erzählt Frank McCourt von seinen Versuchen, es in der amerikanischen Gesellschaft zu etwas zu bringen, seiner Stationierung in Deutschland und College-Laufbahn an der NYU, der Sehnsucht nach seiner Heimat und der ständigen Versuchung des Alkohol, die schon seinen Vater ins Verderben stürzte.

Frank McCourt kommt 1949 als 19-jähriger nach New York: Ohne Abschluss, mit eitrigen Augen, schlechten Zähnen und dem amerikanischen Traum im Kopf – wie so viele seiner Landsleute vor ihm. Er schildert seine Schüchternheit bei Mädchen und harte Arbeit im Hafen, seine Einberufung und Stationierung in Deutschland. Dank seiner Zeit in der Armee kann er nun in Amerika die Universität besuchen und wird Lehrer. Doch sein Leben ist voller Schattenseiten: der Alkoholismus, der schon seinen Vater die Familie vergessen ließ, war ihm keine Abschreckung und so trifft man ihn öfter in der Kneipe an, als bei seiner Frau.

In Ein rundherum tolles Land beschreibt McCourt schonungslos seine jungen Jahre als armer, ungebildeter Ire in den Staaten. Seine Faszination für Mädchen und Sexualität wird von seiner Schüchternheit gebremst und kommt ihm aufgrund der strengen katholischen Erziehung gleichsam verboten und anziehend vor. Für gleichaltrige Amerikaner empfindet er bodentiefen Hass, denn er beneidet sie um ihr gutes Aussehen und ihre Bildung.

Wir sind zwar in einem Army-Standort mit lauter Kasernengebäuden ringsherum, aber im Innern der Kirche herrscht Amerika in Reinkultur. Da sind Offiziere mit ihren Frauen und Kindern, und die haben das saubergeschrubbte Aussehen, das vom Duschen, vom Shampoo und einem dauerhaften Stand der Gnade kommt.

Obwohl er es schafft sich vom Putzjungen zum Lehrer hochzuarbeiten, frustriert die Selbstzerstörungskraft des Autors. Ständig sabotiert er seine Beziehungen und Arbeitsverhältnisse indem er sich dem Alkohol hingibt oder sich gelangweilt und missgünstig behandelt fühlt und aufgibt.

Der Schreibstil, der sehr am Stream-of-Consciousness angelehnt ist, gibt wahrscheinlich sehr genau die Sprech- und Denkweise des jungen Frank McCourt wieder. Den ständigen Wiederholungen und Tiraden konnte ich allerdings nichts abgewinnen. Obwohl seine Erinnerungen sich über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten erstrecken, hat man auch am Ende oft noch das Gefühl den Gedanken eines Pubertierenden zu lauschen, der sich von der Welt unverstanden fühlt. Erst der Tod seiner Eltern scheint ihn endlich erwachsener werden zu lassen.


McCourt verdient einen Pluspunkt für seine Ehrlichkeit, denn sein jüngeres Ich ist eine unfassbar unsympathische Person und wer gesteht sich das gern über sich selbst ein. Auch wenn die Geschichte eines jungen irischen Einwanderers interessant ist, frustriert die Selbstzerstörungswut und das Selbstmitleid McCourts und der Kreislauf schlechter Entscheidungen, aus dem er nicht zu entkommen scheint.

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