Rezension / Walter Scott – Quentin Durward

Seiten: 482 / Verlag: Neues Leben Berlin / Hier Kaufen

Nach dem Massaker an seiner Familie flieht Quentin Durward, verarmt und verfolgt, aus dem heimatlichen Schottland und versucht in Frankreich eine Anstellung zu finden. Seine Abstammung und ritterlichen Auffassungen machen ihn sofort beim König beliebt und er wird mit einer wichtigen Aufgabe betraut. Doch schnell muss er feststellen, dass der König andere Pläne mit der hübschen Gräfin Isabella zu haben scheint, als er Quentin mitgeteilt hat.

Sir Walter Scott hat mit seinen Ritterromanen wie Ivanhoe, ein Denkmal für sich erschaffen und nicht nur Königin Victoria, sondern die ganze Welt mit einem Bild Schottlands versorgt, dass wir alle heutzutage kennen: Kilt, Karomuster und Dudelsack.

In einem seiner weniger bekannten Romane, Quentin Durward, steht ein junger Mann im Mittelpunkt, der – wie sollte es anders sein – eine holde, wunderschöne Maid beschützen muss. Zwar nicht vor Drachen, aber doch vor Ungeheuern in Menschengestalt. Frankreich, wohin sich der junge Quentin nach einem Massaker an seiner Familie flüchtet, ist zwar von einem König regiert, aber trotzdem politisch unstabil. In einem Ränkespiel kämpfen Grafen, König und Geistlicheit um die Vorherrschaft in Europa.

Doch auch wenn Scott hier einen Abenteuerroman geschrieben hat, haben seine Figuren nur wenig heroisches an sich. Hinterlistige Monarchen mögen ja noch gehen, aber selbst die Hauptfigur ist ein eingebildeter, leicht zu kränkender Jungspund mit viel zu großem Ego.

Die Erziehung, die Quentin Durward genossen hatte, war nicht dazu angetan, die Kräfte des Herzens oder das moralische Gefühl besonders stark zu entwickeln. Er und seine ganze Familie betrachteten die Jagd als das einzige Vergnügen und den Krieg als die einzige ernsthafte Beschäftigung.

Ein paar listige Zigeuner dazu und ein mordlüsterner Bösewicht – schon steht Frankreich kurz vor der Anarchie. Das am Ende ein Kopfgeld auf den Bösewicht ausgesetzt wird und es zu einer großen Schlacht kommt, entspricht jedem Abenteuerroman-Schema. Dass aber die Ehe mit Gräfin Isabella der Preis für den besten Krieger ist, erscheint mir dann selbst für diese Zeit antiquiert, völlig unnötig und bringt alle meine Probleme mit dem Roman auf den Punkt.


Eine Jungfrau in Nöten, ein stattlicher junger Ritter und ein ränkeschmiedender Herrscher sind eigentlich die perfekte Mischung für einen Abenteuerroman. Die gewöhnunsbedüftige Sprache und der schlechte Charakter der eigentlich guten Figuren macht Scott’s Quentin Durward für mich allerdings zu einem mehr als anstrengenden Leseerlebnis. Wäre ich die junge Gräfin, ich hätte mich schnell aus dem Staub gemacht und einfach selbst gerettet.

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