Rezension / Claudine Monteil – Die Schwestern Hélène und Simone de Beauvoir

Seiten: 300 / Verlag: Nymphenburger / Hier Kaufen

Simone de Beauvoir ist eine der bedeutensten Schriftstellerinnen und Feministinnen des 20. Jahrhunderts. Doch auch ihre kleine Schwester Hélène zog es trotz der strengen Erziehung im katholischen Elternhaus in die Welt der Künstler. Claudine Monteil war eine enge Freundin der Beiden und hat in dieser Biografie deren Beziehung begleitet.

Wie für viele andere junge Frauen auf der Welt, war Simone de Beauvoir für Claudine Monteil eine der wichtigsten Figuren im Feminismus des 20. Jahrhunderts. Im Kreise ihrer Mädchen planten sie eifrig Demonstrationen und Kundgebungen. Doch auch mit Hélène de Beauvoir entwickelte sich schnell eine tiefe Freundschaft, die auf dem gemeinsamen Interesse für die Rechte der Frauen, aber auch an der Kunst fußte.

Hélène stand ein Leben lang im Schatten ihrer großen berühmten Schwester, zu der sie schon als Kind aufsah. Sie freute sich mit ihr über große Erfolge und bestärkte sie, die negativen Meinungen zu ignorieren, die nach der Veröffentlichung von Das andere Geschlecht auf sie niedergingen. Monteil beschreibt die Resignation, die beide Schwestern nach den Studentenunruhen 1968 empfanden bei denen nur Sartre und seine Mitstreiter gerühmt wurden.

Ich hatte noch immer nicht verstanden, dass der Mai 1968 Männersache war.

So sehr beide Schwestern sich für Kunst interessierten, so unterschiedlich verliefen ihre Leben. Während Simone eine spezielle, offene Beziehung zu Sartre führte, folgte Hélène dem „bürgerlichen Ideal“ einer Ehe mit dessen Schüler. Eine Entscheidung, die Simone nicht nachvollziehen konnte und deswegen auch oftmals harsche Worte über Hélène in ihren Briefen verlieren ließ.

Für Sie und Sartre bedeutete Integration in die Gesellschaft den Ausschluss aus ihrer Welt, in der nur die Freiheit zählte, auch wenn sie das Elend mit sich brachte.

Claudine Monteil war eine enge Freundin der Beiden, was man dem Buch auch in jedem Satz anmerkt. Während die Jugend und frühen Jahre der beiden schnell und bruchstückhaft skizziert werden, nimmt sich die Autorin für die späteren Jahre viel Zeit. Immer wieder betont sie ihre eigene, private Beziehung zu den Beiden und stellt sich somit selbst eher in den Mittelpunkt dieser Biografie.


Simone de Beauvoir ist ein Name, der eng mit der intellektuellen Geschichte Frankreichs verbunden ist. Ihre Schwester Hélène stand, trotz ihres Talent, zeitlebens in ihrem Schatten. Eine schwierige Beziehung, besonders durch die rigide Haltung Simones zum Thema Frauen und Ehe. Ein interessanter Einblick in das Leben dieser unterschiedlichen Frauen, wäre da nicht der Drang der Autorin sich selbst aufgrund ihrer Freundschaft zu den Beiden zu präsent und bestimmend in der Handlung zu positionieren.

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