Rezension / Frühstück mit Kängurus von Bill Bryson

Seiten: 416 / Verlag: Goldmann / Hier Kaufen

Was ist das für ein Land, in dem sich fliegende Füchse tummeln und Schweinefußnasenbeutler einst ihr Unwesen trieben? In seinem ebenso amüsanten wie informativen Streifzug durch ein unbekanntes Australien erzählt Bill Bryson von den historischen Hintergründen der Entdeckung dieses faszinierenden Kontinents – und hält den Leser mit seinem scharfen Blick für alles Skurrile und Ungewöhnliche in Atem.

Bill Bryson’s Metier sind amüsant geschriebene Sachbücher und besonders beliebt ist seine Reiseliteratur. Neben Roadtrips durch Amerika, verschlug es ihn auch einige Male nach Australien und schnell entwickelte sich eine Liebe zu diesem Land am Ende der Welt.

In Frühstück mit Kängurus nimmt Bryson den Leser mit auf drei Reisen: Mit dem Zug von Melbourne nach Perth, an der Ostküste entlang und durch das Herz des Outbacks. Er schreibt über Wildnis und Metropolen, Weiße und Aborigines und die zahlreichen kuriosen Erlebnisse, von denen die australische Geschichte nur so strotzt.

Es ist erstaunlich, wie leicht man in Australien vergessen kann, dass es jenseits seiner Grenzen auch noch eine Welt gibt. Bei den Nachrichten geben sich die Australier zwar alle Mühe, das Handicap der Distanz zu überwinden, doch bei den weniger wichtigen Meldungen hat man manchmal ein komisches Gefühl des Agbetrenntseins; Kleinigkeiten erinnern einen daran, dass man in einem Land am Ende der Welt ist.

Dabei sieht man das Land aus seiner Sicht – eines etwas trotteligen, korpulenten Amerikaners, der gerne durch die Straßen wandert und fremde Leute anspricht. Seine Lust am Reisen und dem besuchen fremder Orte merkt man ihm an und macht den typischen Reiz seiner Bücher aus. Amüsante, aber auf den Punkt gebrachte Aussagen zu Mensch und Natur finden sich zwischen Beschreibungen der Gegend und persönlichen Gedanken.

Vielleicht liegt es an meinem Hang, alles gleich schwarz zu sehen, aber mir kommt es vor, als bestehe heutzutage ein schrecklich großer Teil des Reisens daraus, dass man sich Dinge anschaut, so lange es sie noch gibt.

Die Begeisterung, die er für alles und jeden hegt, greift auf den Leser über, aber auch die Entrüstung, die Bryson im Angesicht der Diskriminierung und ungerechten Geschichte der australischen Ureinwohner empfindet. Eine dunkle Seite des sonnigen Landes, die in Hochglanz-Fotos der Surfstrände nur selten Erwähnung findet.


Bill Bryson’s Biografie über Shakespeare war eines der besten, amüsantesten und trotzdem lehrreichsten Sachbücher, die ich gelesen habe. Auch sein Reisebericht über Australien konnte vollends überzeugen. Es hat mich an meinen eigenen Urlaub erinnert, aber mir auch einen Einblick in die Gegenden gegeben, die ich leider nicht besuchen konnte. Dass er dabei unangenehme Themen nicht auslässt, wie zum Beispiel die Rolle der Ureinwohner in der modernen Gesellschaft, finde ich dabei positiv. Denn negative Seiten bekommt man entweder im Urlaub nicht mit oder ignoriert diese zu Gunsten schöner Ferien. Nicht so Bryson und deswegen unbedingt weiterzuempfehlen.

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