Rezension / Frankenstein von Mary Shelley

Seiten: 297 / Verlag: Anaconda / Hier Kaufen

Als der Entdecker Marlow auf einer Fahrt durch das Nordpolarmeer einen Fremden aufliest und auf seinem Schiff pflegt, hat ihn nichts auf die außergewöhnliche Geschichte vorbereitet, die ihm der Fremde, ein Viktor Frankenstein aus der Schweiz, erzählt. Die Erschaffung eines Monsters hat den Wissenschaftler an den Rand des Wahnsinns und der bekannten Welt getrieben…

Frankenstein oder Der moderne Prometheus ist eines der Bücher, bei denen fast jeder eine halbwegs vollständige Ahnung vom Plots hat – auch wenn öfter mal der Name Frankenstein für das Monster verwendet wird. Mittlerweile gehört Mary Shelleys Roman zum Nonplusultra der Gruselliteratur und wurde unzählige Male verfilmt.

Viktor Frankenstein scheint wie ein typischer Wissenschaftler: voller Neugier und immer auf der Suche nach Grenzen, die er überwinden kann. Ermutigt durch seine Lehrer und durch die Lektüre teilweise fragwürdiger Literatur, reift in ihm der Gedanke Gott zu spielen und einem toten Körper wieder Leben einzuhauchen. Die Idee, die vielleicht positiv für nachfolgende Generationen hätte sein können, entwickelt sich aber schnell zum Alptraum.

Nur derjenige, welcher die Verlockungen der forschenden Wissenschaft an sich selbst verspürt hat, wird mir dieselben nachfühlen können. Auf den anderen Studiengebieten mögt Ihr so weit kommen, wie vor Euch auch andere schon gekommen sind – es gibt nichts mehr, das Ihr lernen könntet. Doch in der wissenschaftlichen Forschungsarbeit hören die Entdeckungen und Wunder nimmer auf.

Totz seiner Sprache, die dem Ganzen einen altmodischen Touch verleiht, ist das Thema keineswegs veraltet. Der wissenschaftliche Drang Neuland zu betreten und die Gefahren, die dabei für die Moral und Ethik bestehen, werden auch heute noch heiß diskutiert. Das Monster ist eine zwar grausame, aber auch zutiefst sensible und verletzte Gestalt – verstoßen von allen Menschen und selbst seinem Schöpfer. Das es deswegen nach Rache dürstet, erscheint kaum verwunderlich.

Oh, Frankensteinm erweise nicht nur anderen deine Billigkeit, tritt nicht nur mich allein mit Füßen, mich, dem du mehr Gerechtigkeit, mehr Nachsicht und mehr Liebe schuldest, denn jedem anderen Menschen! Sei dessen eingedenk, du selbst hast mich geschaffen – ich sollte ja dein Adam sein!

Die Atmosphäre der Schweizer Berge und des trostlosen, kalten Nordens sind kunstvoll ausgewählt und eingesetzt um den Leser einen Schauder über den Rücken wallen zu lassen, wenn zum Beispiel zwischen Blitzen und in tobendem Gewitter Viktor Frankenstein einen Blick auf sein Monster in der Ferne erhascht. Dass die Idee des Romans an einem verregneten Abend als Gruselgeschichte in einem Kreis von Schriftstellern entstand, überrascht nicht.


Der Roman spielt auf perfekte Weise mit den Motiven der Gothik-Literatur; reißt den Leser mit in seine Geschichte von Liebe, Rache und der Sehnsucht danach, einen Platz in der Welt zu finden. Er ist zwar auf keinste Weise mit den actiongeladenen Verfilmungen zu vergleichen, die in Hollywood darauf basieren, aber schafft es auf ganz eigene Art eine Atmosphäre aus Schauder und Faszination zu schaffen.

*Das Beitragsbild ist diesmal ein bisschen anders, weil natürlich passieren musste, was ich immer befürchte: Zum Lesen entferne ich oft den strörenden Schutzumschlag und dieser Umschlag ist bei Frankenstein verschwunden. 😀

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
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