Film / Ein Sommer mit Flaubert

Vor Jahren ist Martin zusammen mit seiner Familie aus Paris in ein ruhiges Dorf in der Normandie gezogen. Als in das Haus nebenan ein englisches Pärchen mit dem Nachnamen Bovery zieht, beginnt seine Fantasie verrückt zu spielen: Wiederholt sich Gustave Flaubert’s Ehebruchroman Madame Bovary vor seiner eigenen Haustür?

Martin lebt seit einigen Jahren wieder in seiner Heimatstadt, einem verschlafenen Örtchen in der Normandie. Abgesehen von Streitereien um die schlechten Noten seines computerspielenden Sohn herrscht Eintönigkeit in seinem Leben und seiner Ehe. Als in das marode Nachbarhaus ein englisches Pärchen zieht, fühlt er sich sofort von der jungen Ehefrau angezogen, Gemma Bovery. Seine Vorliebe für Gustave Flauberts großen Roman Madame Bovary lässt seine Fantasie verrückt spielen. Wie ein Regisseurs betrachtet er das Liebesleben seiner jungen Nachbarin, die schnell vom Landleben gelangweilt ist und sich eine Affäre mit einem jungen Adelssproß stürzt.

Der Film spielt mit den Erwarungen derer, die sich an den typischen Frankreichfilmen erfreuen, genauso wie mit denen der Romanleser. Die französische Nachbarin ist keineswegs elegant und zurückhaltend, sondern eine selbstsüchtige, konsumorientierte Person. Und statt Gemma lebt Martin in einer Traumwelt, die von geheimen Liebschaften und ungestillten Sehnsüchten bevölkert ist.

Die Leistungen der Darsteller sind überzeugend, besonders Fabrice Luchini als Martin schafft es perfekt Langeweile und Verträumtheit darzustellen, die man einem Mann seines Alters des öfteren zuschreibt, aber auch den richtigen Ton für die humorvollen Szenen mit seiner hübschen Nachbarin zu finden. Auch das englische Ehepaar Bovery, gespielt von Gemma Arterton und Jason Flemyng weiß zu überzeugen, doch der übertreibene Akzent den die beiden in der deutschen Version abbekommen haben, wirkt nach einiger Zeit recht nervtötend.


Ein Sommer mit Flaubert ist eine spannende Version des Ehedramas von Flaubert. Die Schauspieler schaffen es zwar ihren Rollen Leben einzuhauchen, lassen aber trotzdem noch viel Potential offen. Besonders Gemma Arterton hätte als moderne Emma weit mehr tun können, als mit glasigem Blick aus dem Fenster zu starren. Das Ende des Film überrascht hingegen und gibt der Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
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