Rezension / Das explodierte Ich von Jana Simon

Seiten: 256 / Verlag: Christoph Links / Hier Kaufen

Inhalt:

Das Buch enthält eine Zusammenstellung von Porträts, die die Autorin im Laufe der letzten zehn Jahre für Die ZEIT oder das ZEITmagazin geschrieben hat. Die Menschen dahinter könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber egal ob sibirisches Model oder Politikerin in der Piratenpartei, alle Porträtierten haben aber eines gemeinsam: In ihrem Leben gab es Zusammenbrüche, Sinnkrisen und Neuorietierungen, die sie verändert haben.

Jana Simon ist seit 2004 als Autorin für Die ZEIT tätig und dort zuständig für die Porträts. Eine Sparte, die immer wieder in der Kritik steht. Denn oft geben die Schreiberlinge in diesen nicht nur Zitate wieder, sondern versuchen stattdessen die Atmosphäre und den Charakter der Person einzufangen, die sie begleiteten. Simon beschreibt ihre Tätigkeit als die „hohe Kunst des rumhängens“ und betont, dass ihre Artikel manchmal monatelange Recherche benötigen, sowie die Furchtlosigkeit des Autors Personen immer wieder zum Reden zu bringen, die ihn vielleicht als reine Störung empfinden.

Einen Menschen darzustellen, ihn zu beurteilen, zu deuten, ist auch immer eine Anmaßung. Ich kann nicht behaupten, ich wüsste genau, wer und wie der andere tatsächlich ist. Ich kann mich nur bemühen, ihn in all seinen Widersprüchen zu zeigen und mich nicht als Richterin aufzuspielen.

Bereits 2004 publizierte sie im Christoph Links Verlag eine Zusammenstellung ihrer Reportagen, 2013 folgte eine Gesprächsreihe mit ihren Großeltern Christa und Gerhard Wolf.

Die vorgestellten Persönlichkeiten kommen aus allen möglichen Ländern und stammen aus den unterschiedlichsten Ecken der Gesellschaft. Dabei zeigt Simon, dass sie trotz allem eines gemeinsam haben: Ihr Leben steht an einem Scheidepunkt und kann sich von dort aus komplett verändern. Deswegen beschreibt die Autorin am Ende jedes Porträts auch kurz, wie sich ihre Gesprächspartner weiter entwickelt haben und was sie derzeit in ihrem Leben machen.

„Ich bin eine Nomadin. Ich bin überall zu Hause“, sagt sie. Überall heißt nirgendwo. Der Satz soll stark klingen und offenbart Schwäche.

Dabei geht es in den Porträts nicht immer primär um reine Faktenauflistung, die jedem anderen Autorin mit Zugang zum Internet auch möglich wäre. Stattdessen verbringt Simon Monate mit der Recherche, versucht an die Personen heranzukommen über die sie den Artikel schreibt oder wenigstens mit Menschen zu reden, die ihnen nahestehen. Denn Porträts leben davon, dass der Schreibende versucht, ein komplexes Bild zu entwerfen.


Jana Simon hat in ihrem Buch Das explodierte Ich eine große Bandbreite von Porträts zusammengestellt, die interessante Persönlichkeiten für jeden Geschmack bereit halten. Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel oder das afrikanische Model Waris Dirie, die beschriebenen Menschen haben in ihrem Leben Umbrüche erfahren, von denen sie stark beeinflusst worden. Dass die Personen in den Porträts nicht komplett positiv, sondern auch mit ihren negativen Seiten gezeigt wurden fand ich gut, da es ehrliche Bilder der Menschen sein sollen und keine Werbung irgendeiner Art. Trotzdem konnte mich das Buch nicht vollends begeistern, da mir dieser kurzen Einblicke immer etwas zu wenig vorkamen und ich gerne mehr über die Personen gelesen hätte, die mich interessiert haben.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s