Rezension / Die Nackten und die Toten von Norman Mailer

Seiten: 665 / Verlag: Volk und Welt Berlin / Hier Kaufen

Inhalt:

In seinem Erstlingsroman schildert Norman Mailer die Belagerung der japanischen Insel Anopopei durch amerikanische Truppen.

Kurz nach dem 2. Weltkrieg veröffentlichte Norman Mailer seinen Debütroman. Ein Teil der amerikanischen Armee landet auf der Insel Anopopei um die dort ansässigen japanischen Truppen zu bekämpfen. Nicht nur die Hitze, sondern auch Langeweile und Standesdünkel machen den Soldaten zu schaffen.

Nach einer Reihe von Tagen gab es immer noch keine Frontlinie. Kleine Gruppen drangen durch den Dschungel, bestanden unerhebliche Gefechte mit noch kleineren Gruppen, und dann ging es weiter. Insgesamt kam man voran, aber jeder einzelne Verband wählte zu beliebiger Zeit die Richtung, die ihm passte. Sie glichen Haufen von Ameisen, die mit einigen Brosamen im Grase fertig zu werden versuchten.

Mit der Art eines Journlaisten beschreibt Mailer diese Mission objektiv und gibt dem Leser porträthafte Skizzen der einzelnen Soldaten. Als General Cummings der Gruppe um Croft einen Spezialauftrag erteilt, der der entscheidende Schritt des Kriegsverlaufes oder eine selbstmörderische Aktion werden könnte, liegen die Nerven der Männer blank.

Seine Augen funktionierten gerade noch so weit, dass er mechanisch feststellen konnte, wo er ging; er hörte und schmeckte kleine, zusammenhangslose Einzelheite, er spürte sogar etwas Scherz,den ihm der strapazierte Körper bereitete; aber dies alles war wie von ihm losgelöst, war wie ein Gegenstand, den er von sich gestreckt in seiner Hand hielt. Sein Verstand war zugleich abgestumpft und hellwach, nackt und betäubt in einem.

Mailer zeigt, dass diese Soldaten keine heroischen Retter der Unterdrückten und Unschuldigen sind, sondern genauso menschliche Fehler haben, wie die Männer auf der anderen Seite des Urwalds. Auch in ihrer Truppe regieren Rassismus, Unterdrückung und Hass; Beförderungen werden dem anderen geneidet und persönliches Empfinden bestimmt, ob jemand an der Front landet oder im im luxuriösen Offizierszelt speisen darf. Laut General Cummings ist gerade dieses Klassensystem der Motor des Krieges und keineswegs der Sinn für Gerechtigkeit.


Norman Mailers Roman ist für viele DER Kriegsroman, da er auch die Seiten zeigt, die keineswegs heroisch und männlich sind. Er zeigt Soldaten, die sich langweilen, ihre Kameraden aus diversen Gründen hassen und ihre Wut an wehrlosen Gegnern auslassen. Mit seinem Umfang und seiner Thematik ist das Buch sicherlich kein leichter Lesestoff, aber es lohnt sich.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s