Rezension / Jahre wie diese von Sadie Jones

Seiten: 416 / Verlag: DVA / Hier kaufen

Inhalt:

Luke Kanowski beschließt, Provinz und Elternhaus den Rücken zu kehren, um in London seine Lorbeeren als Dramatiker zu verdienen. Mit Paul, einem angehenden Produzenten, und Leigh, Pauls Freundin, gründet er eine Theaterkompanie, die bald erste Erfolge feiert. Die drei sind unzertrennlich – bis Luke auf Nina trifft, eine temperamentvolle, aber labile Schauspielerin, die ihn nicht mehr loslässt.

Luke Kanowski wächst sich selbst überlassen in einer englischen Kleinstadt auf: Seine Mutter sitzt seit seiner Kindheit in einer Psychatrie und sein  Vater trinkt mehr, als dass er sich um den Sohn kümmert. Als er eines Abends die beiden Großstädter Paul und Leigh im strömenden Regen trifft, stoßen sie eine Veränderung an, die ihn nach London treibt um seinen Traum zu verwirklichen: Am Theater arbeiten.

Paul verschwand in den Kulissen. Luke aber blieb mitten auf der Bühne stehen, gehalten von der Atmosphäre. Den ganzen Tag lang war die Zeit im falschen Tritt gewesen, war entweder gerast oder hatte gezaudert. Jetzt war sie wieder im Gleichklang. Er blickte in den Zuschauerraum, auf die stillen Sitzreihen … Der Augenblick schlug über ihm zusammen.

Er stand hinter der imaginären Mauer, blickte auf die Welt hinaus und hatte das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein.

Vor der Kulisse der Thatcher-Jahre, in denen jegliche kulturellen Einrichtungen ein Dorn im Auge der sparenden Regierung waren, treffen in London eine theaterbegeisterte Gruppe junger Leute zusammen. Paul, Leigh und Luke – ein Dreiergespann der seltsamen Sorte, hält trotz Geldmangel und Liebesproblemen fest zusammen.

Als Luke allerdings Nina, eine labile Schauspielerin mit engagierter Mutter trifft, kommt die Idylle ins Wanken. Eine unfassbare Anziehungskraft zieht Luke immer wieder zu ihr, ungehindert der zerstörerischen Kraft, die dieser Ehebruch für alle Beteiligten bereit hält.

„Ich liebe dich“, sagte er noch einmal. „Ich verdiene dich nicht“, antwortete sie.

Jahre wie diese ist ein Roman über das Theater und wie schwer es ist, Kultur angemessen zu produzieren. Er handelt aber auch von den theatralischen Geschichten im Alltag, den Beziehungen und Entscheidungen, die wir treffen, obwohl wir sie als schlecht erkennen. Sadie Jones Schreibstil ist wie ein gut inszeniertes Stück, dass man immer wieder sehen (oder in diesem Fall) lesen kann, ohne dass es seine Faszination verliert.


Der Roman fiel mir wegen des wunderschönen Covers schon vor Monaten im Buchladen auf. Leider schreckte mich der Preis ein wenig ab. So konnte ich nicht widerstehen, als ich es in der Bibliothek sah und es wanderte sofort in meinen Korb. (Und ja, ich gehe gleich mit Korb durch die Stadtbibliothek) Das hinter jedem schönen Umschlag nicht unbedingt ein schönes Buch stecken muss, trifft in diesem Fall zum Glück nicht zu.

Sadie Jones Jahre wie diese handelt von Liebe, Freundschaft und der Macht der Bühne. Die Autorin schuf Charaktere, die im Zwiespalt mit ihren Gefühlen und auf der Suche nach Erfüllung sind; die Triumphe feiern, aber auch Niederlagen einstecken müssen. Man begleitet Luke, Paul und Leigh bei ihrer Arbeit und im Alltag und hofft, dass sich am Ende alle verknoteten Stricke lösen.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman

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