Rezension / Berlin wird Festland von Nicola Nürnberger

Seiten: 272 / Verlag: Open House / Hier kaufen

Inhalt:

Christine zieht Anfang der 90er Jahre aus der Provinz zum Studium nach Berlin. Überwältigt von den Eindrücken der sich schlagartig neu erfindenden Metropole, trifft sie auf den rund zehn Jahre älteren Monty. Der öffnet ihr den Blick für Geschichte und Politik im alten (West-)Berlin, aber auch für die noch unbekanntere Welt des sich völlig verändernden Ostteils der Stadt. Doch so wie sich Ost und West zwei Jahre nach der Wende noch weitgehend fremd bleiben, finden auch Monty und Christine nur langsam zueinander …

Christine ist nach der Wende aus einem hessischen Dorf nach Berlin gezogen, um zu studieren und erlebt eine Zeit in der Geschichte Deutschlands, die turbulenter nicht sein könnte. Dass aber Freiheit nicht gleich Glück bedeutet, wird auch ihr schnell klar.

Großstadt, hieß es auf dem Land immer, war Christiane F., Lufverschmutzung, verstopfte Straßen und Hochhäuser.

Der Anfang des Buches erinnert an typische Studentengeschichten: Christine wacht nach einer alkoholreichen Nacht im Bett eines ihr fremden Typen auf, der schon längst aufgestanden ist und ihr einen Zettel dagelassen hat, auf dem er ihr freundliche Kaffee anbietet. Monty heißt der Mann wie sich später herausstellt und er kennt sich ziemlich gut in der wechselhaften Berliner Szene aus; weiß von den kleinen Clubs im Osten der Stadt, die in irgendwelchen Kellern aufschlagen.

„Wir sind da“, grinste Monty. „Das hier ist  das neue Berlin, der neue Osten.  Unerwartet und unheimlich.“

Christine ist beeindruckt und nimmt sich vor, diesen Mann nicht zu verscheuchen; spielt die Lässige, die nicht auf der Suche nach einer festen Bindung ist. Aber im Herzen ist wohl auch sie noch das Mädchen vom Dorf und sehnt sich nach einer ernsthaften Beziehung in der großen, einsamen Stadt – auch wenn sie sich über die altes-Ehepaar-Manier ihrer besten Schulfreundin belustigt, die sie einmal mit ihrem Mann besucht.

Berlin nach der Wende, das ist eine Stadt voller unterschiedlichster Menschen mit Hoffnungen und Ängsten, auf der Suche nach Freiheit und Bindung, in einem Gewirr von Straßen, Hochhäusern und Menschenmassen.


Beriln wird Festland ist ein Hauptstadtroman, der die Freiheit nach der Wende, die Umbrüche, aber auch die Orientierungslosigkeit widerspiegelt, die in dieser Zeit von so vielen und besonders den jungen Leuten Besitz ergriff. Mit Christine als Studentin und Verliebte kann man sich heute noch genauso identifizieren und streift mit ihr und Monty zusammen gespannt durch die Höfe und Schutthalden des ehemaligen Ost-Berlins.

*Danke an den Open House Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman

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