Book to Movie / Effi Briest von Theodor Fontane

Seiten: 250 / Verlag: Hamburger Lesehefte / Hier Kaufen: Buch Film

Rückentext:

Statt ins Glück führt Effi Briests arrangierte Ehe mit dem viel älteren Baron von Instetten in eine Katastrophe für alle Beteiligten. Eine Affäre, ein Duell und ein Toter sind das Ergebnis fataler Verwicklungen.

Meine Meinung:

“Effi Briest” ist ein Klassiker der deutschen Literatur und wird in einem Zug mit anderen Frauenromanen seiner Zeit genannt, wie „Anna Karenina“ von Lev Tolstoi und „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert. (Wer erkennt hier schon eine Gemeinsamkeit? Spoiler!) Da ich letzteren Roman sehr gut fand und „Anna Karenina“ zurzeit durch seine schiere Masse an Seiten etwas abschreckend wirkt, entschied ich mich erstmal Fontane zu lesen.

Effi Briest ist gerade einmal 17 als sie mit Graf von Instetten verheiratet wird, der nicht nur um einiges älter ist als sie, sondern vor Jahren einmal um die Hand ihrer Mutter anhielt. Was sich wie die Story einer Seifenoper anhört, entwickelt sich im Laufe des Romans zu einer Dreiecksgeschichte in der ein gewisser Major Crampas kräftig mitmischt.

Wie auch Madame Bovary kann sich Effi nur schwer an ihre neue Rolle als Ehefrau gewöhnen und findet in dem kleinen Ostseebadeort Kessin nicht die Zerstreuung, die ein Mädchen ihres Alters braucht. Ihre Nerven werden nicht nur von der Langeweile und dem Fehlen einer Freundin in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch von den Gruselgeschichten, die ihre Hausmädchen ihr erzählen.

Die neuste deutsche Verfilmung von Fontanes Roman gab es 2008. Darin werden die Hauptrollen von Julia Jentsch, Sebastian Koch und Mišel Maticevic gespielt. Was dieses Casting angeht, finde ich, haben die Macher sich keine Mühe gegeben. Julia Jentsch ist zum Zeitpunkt um einiges älter als die 17jährige Effi Briest, was man ihr auch ansieht. Die jugendliche Nervosität und Angst der Hauptfigur wirkt als Haltung einer 30jährigen völlig fehl am Platz.

Die Regisseurin Hermine Huntgeburth interpretiert Effi Briest im Rahmen des modernen Feminismus neu. Während die Hauptfigur im Roman von den Männern ihrer Umgebung oft abhängig und nicht gleichgestellt ist, agiert die Hauptdarstellerin viel eigenständiger. Auch das offen gehaltene Ende des Films spiegelt diese charakterliche Veränderung wieder.


Leider kann Effi Briest in meinen Augen nicht mit den zwei großen Frauenromanen seiner Zeit mithalten, auch wenn diese oft in alle in einem Atemzug genannt werden. Auch wenn mir im Roman ein wenig mehr Charakter bei der Hauptfigur gefehlt hat, fand ich die Änderungen die man an der Vorlage für den Film vornahm, keineswegs besser. Wie im Buch, fehlt mir auch im Film die Motivation für den Ehebruch und die anschließende Naivität der Hauptfigur hinsichtlich der Möglichkeit, dass ihre Taten irgendwann ans Licht kommen.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
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