Rezension / Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

BahnhofZoo(edit)Seiten: 333 / Verlag: Stern / Hier kaufen

Rückentext:
Im Alter von zwölf Jahren kommt Christiane F. in einem Jugendheim zum Haschisch, kurz darauf in einer Diskothek zum Heroin. Sie wird süchtig, geht vormittags zur Schule und nachmittags mit ihren ebenfalls heroinabhängigen Freunden auf den Kinderstrich am Bahnhof Zoo. Die Berlinerin Christiane F. erzählt mit minuziösem Erinnerungsvermögen und rückhaltloser Offenheit ihre traurige Geschichte. Ein Buch, das in den 70er Jahren Deutschland erschütterte – und bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Meine Meinung:

Es war wahnsinnig aufregend. Meine Mutter packte tagelang Koffer und Kisten. Ich begriff, dass für uns ein neues Leben anfing.

Als Christiane F. zusammen mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester nach Berlin zieht, soll das der große Neubeginn für die Familie sein. Doch schon bald beginnt der soziale Abstieg und die Familie muss sich eine Wohnung in Gropiusstadt nehmen – der berühmt-berüchtigten Trabantenstadt aus Beton. Christianes Leben nimmt hier eine dramatische Wendung.

Sie kommt mit Jugendlichen in Kontakt die desillusioniert in die Zukunft schauen und deren Tag ausschließlich von den zahlreichen Drogen bestimmt wird, die in Berlin die Runde machen: Alkohol und Zigaretten, Tabletten, Haschisch und bald auch Heroin.

In diesem Buch erzählt Christiane F. den Reportern Kai Hermann, Horst Rieck und den Lesern schonungslos von ihrem Leben, dass in eine Abwärtsspirale gerät, die von Entzügen und Rückfällen geprägt sein wird, von Liebe und verkauften Kinderkörpern.

Am Morgen holte mich eine Mutter aus dem Bett. Sie sah mir ins Gesicht: „Was hast du nur für Augen, Kind. Die sind ganz ausdruckslos. Ich seh da nur Angst und Verzweiflung.“

Erschreckend ist dabei, wie realitätsfremd die Kinder werden. Immer glauben sie, keineswegs abhängig zu sein. Reden sich ein, noch die Macht über ihren eigenen Körper zu besitzen und den Drogen ein Schnippchen zu schlagen. Man betrachtet Christiane und ihre Freunde dabei, wie sie sich selbst, aber auch die Menschen in ihrer Umgebung langsam zerstören.

Dass sie süchtig war – damit konnte ich halbwegs leben. Es war die Angst, dass der nächste Schuss der letzte sein könnte, die mich fertig machte. Ich war zufrieden, dass sie überhaupt noch nach Hause kam.

Anders als heute, wo es in Groß- und auch in Kleinstädten Beratungs- und Anlaufstellen für Drogenabhängige und ihre Angehörigen gibt, waren in den 70ern die Behörden und Ämter mit der Welle an Drogen und ihren Folgen für die Gesellschaft komplett überfordert. Zusammen mit Christianes Mutter laufen wir von Zuständigkeit zu Zuständigkeit, ohne Hilfe für die Minderjährige zu finden.


„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ ist ein Teil der deutschen Literatur, die ins Curriculum eingegangen ist und von fast jedem Jugendlichen gelesen wird. Christiane F. schildert ihr Abrutschen in die Sucht und ihr Leben auf der ständigen Suche nach Drogen im Rückblick als fast unausweichliches Schicksal für jemanden, der in den schlechteren Bezirken von Berlin aufwächst. Die ständigen Entzüge und Rückfälle, das Wunschdenken der Abhängigen, wirken fast surreal komisch auf den Leser; wie ein Slapstick mit den immer gleichen Witzen und ist doch die Realität für viele, damals wie heute.

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Grafik: Christina Koorman
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