Rezension / Philippe Smolarski – Fayvel der Chinese

Verlag: Lies Mich Verlag / Seiten: 270 / Hier kaufen

Rückentext:
Während die jüdische Bevölkerung Europas vor dem Terror der Nazis zu fliehen versucht, reist Fayvel, Gangsterboss und selbst polnischer Jude, aus China direkt ins Herz der Finsternis, um seine Familie aus dem Warschauer Ghetto zu befreien. Mit ihm kommen seine engsten Vertrauten: Walter, ein deutschjüdischer Ex- Boxer, und Meiling, eine skrupellose und hinreißend schöne Chinesin. Im Ghetto kreuzen sich dann die Wege von Fayvel und Maria, einer jungen Jüdin aus Wien, die Fayvel unter seinen Schutz stellt und schließlich ins Herz fasst. Die Liebesgeschichte der beiden ist von wenig Illusionen begleitet in einer Welt, die ums tägliche Überleben kämpft. Um schließlich dem faschistischen Grauen zu entkommen, fliehen Fayvel und seine Bande durch halb Europa, legen sich mit Spionage und Gegenspionage an und schlüpfen in immer neue Identitäten.

Anders als in anderen Geschichten aus den polnischen Ghettos im Zweiten Weltkrieg, wie „Jakob der Lügner“, haben hier Menschen das Wort, die von den Zuständen profitieren. Fayvel, ein erfolgreicher Gauner der sich in Singapur niedergelassen hat, kehrt in seine Heimat zurück um im berüchtigten Warschauer Ghetto nach seiner Familie zu suchen.

Hilfe erhält er auf seinem Weg von alten Bekannten, die ihm den einen oder anderen Gefallen schulden. Hasserfüllt muss Fayvel zusehen, wie seine Landsleute von den Deutschen misshandelt und verschleppt werden – in Konzentrationslager, die bisher nur grauenvolle Gerüchte sind. Während die kleinen Leute tagtäglich um ihr Leben fürchten, lassen es sich die hohen Tiere im Ghetto – die Gangster, Reichen und Kollaborateure – gut gehen. Sie feiern rauschende Partys mit Champagner und Kaviar, während vor der Tür der Klubs die Leiche einer verhungerten Frau liegt.

Ich muss diesen verdammten Tag einfach vergessen. Die Welt um uns herum zerfällt. Und wir tanzen.

Aber auch Fayvel bleibt nicht unbeeindruckt von den Lebensverhältnissen, die er sieht. Als die junge Österreicherin Maria ins Ghetto kommt, nimmt er sich ihrer an. Eine Liebesbeziehung entwickelt sich und Fayvel entschließt, zusammen mit seinen Freunden und Maria zu fliehen. Eine wilde Reise durch das nazibesetzte Europa beginnt, dass wie für so viele Menschen in dieser Zeit nicht für alle gut enden wird…


Dass Smolarskis Buch eine wahre Geschichte ist, kann ich immer noch nicht ganz glauben. Zu abstrus und verrückt und augenfällig zufällig wirken manche Ereignisse. Aber so ist das Leben ja oft. Dass die Aufzeichnungen jahrelang nicht öffentlich gemacht wurden, auch wenn sie eine kaum gezeigte Seite der Ghettos als Thema haben, leuchtet ein. Denn auch ich bin leider kein Fan der Hauptperson, die sich als Gangster natürlich nur sehr wenige Skrupel leisten kann. Eine sehr brutale Erzählung einer sehr grausamen Zeit.

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*Einen lieben Dank an Karsten vom Lies Mich Verlag, der mir ein Exemplar dieses Buches zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.

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