Book to Movie / Friedrich Dürrenmatt – Das Versprechen

Verlag: dtv / Seiten: 156 / Hier Kaufen // Verleih: Arthaus / Hier kaufen

Rückentext:
Eigentlich sollte sich Kommissar Matthai, der auf der Höhe seiner Karriere angelangt ist, zum Flug nach Jordanien fertigmachen, um dort ein ehrenvolles Amt zu übernehmen. Da erreicht ihn ein Anruf aus Mägendorf, einem kleinen Ort bei Zürich. Ein ihm unbekannter Hausierer teilt ihm mit, er habe im Wald die Leiche eines grausam verstümmelten Mädchens gefunden. Obwohl Matthais Abflug kurz bevor steht, fährt er nach Mägendorf und verspricht den Eltern des Kindes nicht zu rasten, bis er den Täter entlarvt hat.

Dürrenmatt ist dem ehemaligen Schüler ja eher als Dramatiker bekannt – man kommt nur selten durch den Deutschunterricht, ohne wenigstens von Die Physiker gehört zu haben. Allerdings sind in seiner Bibliografie auch noch eine Reihe von Krimis rund um Kommissäre und deren Fälle in Schweizer Kantonen zu finden.

Dieser Krimi beschäftigt sich mit einem sehr intensiven Thema: Kindesmissbrauch. Als in einem Waldstück die Leiche der kleinen Gritli gefunden wird, ist der Mörder schnell ermittelt. Als dieser sich in seiner Zelle erhängt, kommen dem Polizisten Matthai Zweifel an dessen Schuld und er lässt seine geplante Versetzung nach Jordanien platzen. Die Suche nach dem Mörder wird für ihn zur Obsession, die ihn an den Rand des Wahnsinns treibt.

Das schmale Büchlein ist schnell gelesen, aber nicht schnell vergessen. Dabei ist es nicht primär die Krimihandlung – die Aufklärung der Verbrechen – die spannend ist, sondern vor allem die Auswirkungen auf die beteiligten Polizisten. Deren Psyche ist während ihrer Arbeit schutzlos den größten Zweifeln ausgeliefert. Haben wir den richtigen ins Gefängnis gebracht oder ist der Mörder wegen unserer Willigkeit, den Fall schnell abzuschließen, immer noch auf freiem Fuß?

Mit dem Vergleich von Das Versprechen und dem Film Es geschah am hellichten Tag in der Kategorie „Book to Movie“ schummle ich ein bisschen. Fakt ist, dass Dürrenmatt diese Geschichte als Auftrag für den Film entwarf und erst danach den Roman verfasste. Anders als der Roman, der eher eine Kritik am beliebten Genre des Kriminalromans ist, soll der Film eine pädagogische Wirkung haben. Wobei sich mir die Frage stellt, ob es an die Kinder gerichtet ist, die diesen Film wegen der FSK 12 rein theoretisch nicht sehen können oder an die Eltern? Der Film selbst kann mit großen Namen wie Heinz Rühmann und Gert Fröbe aufwarten. Die schauspielerische Leistung ließ meines Empfindens aber sehr zu wünschen übrig; wirkte sehr steif und emotionslos. Ob Rühmann im gesamten Film einmal seine Augenbrauen bewegte, bleibt fraglich.


Das Versprechen ist kein klassischer Krimi, sondern eine psychologische Analyse der Obsession des Hauptcharakters. Ein Polizist, wie sicher einer von Vielen, der von einem bestimmten Fall nicht loslassen kann und sein ganzes Leben darauf ausrichtet, diesen zu lösen. Wenn man ihn als Leser dabei begleitet und sich in diese Obsession mit hineinfühlt, erscheint die Lösung des Falls unheimlich frustrierend. Aber auch das macht den Reiz der Geschichte aus.

Die filmische Umsetzung ist, wie gesagt, anders ausgerichtet als der Roman und konnte weder mit seinem anderen Ende, noch mit seinen Schauspielern überzeugen. Für Leser, die sich eine Verfilmung wünschen, die näher an der Vorlage bleibt, ist vielleicht die amerkanische Version aus dem Jahr 2001 interessant, in der Jack Nicholson die Hauptrolle übernimmt.

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