Rezension / Wolf Schmid – Pedalpilot Doppel-Zwo

Verlag: Lies mich Verlag / Seiten: 288 / Hier kaufen

Rückentext:

Der spontane Besuch des gerade pensionierten Paketwagenfahrers Walter bei seinem Sohn Johannes in Hamburg bringt die sicheren Mauern ins Wanken, hinter denen die beiden sich schon seit Langem zurückgezogen haben. Als sich Johannes alias Fahrradkurier »Doppel-Zwo« bei einem Radunfall das Schlüsselbein verletzt, springt der Vater kurzerhand als »Doppel-Zwo Senior« für ihn ein.

Meine Meinung:

Johannes arbeitet in Hamburg als Kurier und hat keine besonders gute Beziehung zu seinem Vater Walter. Der ist seit Jahrzehnten Paketwagenfahrer und zufrieden mit einem Leben in monotoner Genügsamkeit. Als er in Rente geht, beschließt er seinen Sohn zu besuchen. Dieser hatte sich während eines Kurzurlaubs das Schlüsselbein gebrochen und überredet seinen Vater als Kurier für ihn einzuspringen.

Einundsechzig Jahre lang kreiste Walter um die Schatten, die das Leben ihm vor die Füße warf. Dann wagte er einen Schritt aus seiner Komfortzone heraus und nichts war mehr wie zuvor.

Auch wenn Johannes es sich nicht eingestehen will, er und sein Vater sind sich ziemlich ähnlich. Beide stehen, beruflich wie privat, an einem Punkt in ihren Leben, an denen es ratsam wäre in die Puschen zu kommen und etwas zu unternehmen. Aber di Vertrautheit des Alltags und die Angst vor Neuem lähmen beide.

Maga hatte also ein Trauma. Hatte er auch eins? Er hätte gern eins. Traumata machten das Leben doch irgendwie leichter, gaben Orientierung und gute Gründe, nicht klarzukommen.

Der Roman erzählt in lockerem Ton davon wie es ist seine gewohnten Lebensumstände hinter sich zu lassen und mal etwas Verrücktes auszuprobieren. Nicht jeder muss plötzlich Fahrradkurier werden wie Walter, dem die körperlichen Begleitumstände natürlich auch zu schaffen machen. Aber anders als sein Sohn wirft der Rentner seine Bedenken und Ängste vor der Großstadt über den Haufen um Johannes zu helfen. Dabei lernt er nicht nur die Orientierung durch die Stadt an der Alster, sondern auch eine Reihe komischer, liebenswerter Figuren kennen.


Nicht nur die liebevolle Aufmachung dieses Romans ist ein Grund ihn zu kaufen. Auch die Geschichte lässt einen schmunzeln, laut lachen und nachdenklich über das eigene Leben sinnieren. Die Festgefahrenheit in der wir uns befinden, ist manchmal nicht sichtbar, aber sie ist da. Und dann braucht es einen Fahrradunfall mit Armbruch, um uns aus dem Trott zu holen. Zusammen mit Walter erkunden wir Hamburg und bekommen Lust, uns gleich selber aufs Rad zu schwingen.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman

*Ein großes Dankeschön an Karsten vom Lies Mich Verlag der mir ein Exemplar zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.

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2 Gedanken zu “Rezension / Wolf Schmid – Pedalpilot Doppel-Zwo

  1. Habe dein Blog durch deinen Kommentar bei buchpost gefunden und sehr persönliche, kenntnisreiche und stimmige Beiträge gefunden. Den Wolf Schmid Roman habe ich diesen Sommer gelesen und hatte dasselbe eindrucksvolle Leseerlebnis. Werde gerne wieder bei dir vorbeischauen.
    Schönen Spätsommersonntag.
    H.S

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