Rezension / Daniel Kehlmann – Ruhm

Verlag: Rowohlt / Seiten: 203 / Hier kaufen

Rückentext:
Ein Schriftsteller mit der unheilvollen Neigung, Menschen, die ihm nahestehen, zu Literatur zu machen, ein verwirrter Internetblogger, ein Abteilungsleiter mit Doppelleben, ein berühmter Schauspieler, der lieber unbekannt wäre, eine alte Dame auf der Reise in den Tod: Ihre Wege kreuzen sich in einem Geflecht von Episoden zwischen Wirklichkeit und Schein.


Der Untertitel des Buches lautet: „Ein Roman in Neun Geschichten.“ Dass Kurzgeschichten nicht zu meinem bevorzugten Genre gehören, war sicherlich einer der Gründe wieso ich dieses Buch mehrmals angefangen und wieder abgebrochen habe. Dabei verbindet Kehlmann in seinen Kurzgeschichten die Erlebnisse der einzelnen Figuren zu einer großen Geschichte, in der man immer wieder bekannte Gesichter und Namen wiederliest.

„Wir sind immer in Geschichten.“ Er zog an der Zigarette, der Glutpunkt leuchtete rot auf, dann senkte er sie und blies Rauch in die warme Luft. „Geschichten in Geschichten in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt.“

Kehlmann verwendet in seinem Episoden-Roman unterschiedliche Wirklichkeitsebenen, die teilweise verschwimmen. Dabei werden Begriffe wie Ruhm und Identität diskutiert und gezeigt, dass oftmals kleine Zufälle ein Leben für immer verändern können. Während der Elektriker Ebling sich darüber freut, durch eine Verwechslung die Telefonnummer des berühmten Schauspielers Ralf Tanner erhalten zu haben, wünscht sich dieser nur unerkannt zu bleiben und gibt sich als sein eigener Imitiator aus.

Zurück bleibt, wenn überhaupt etwas, eine Straße im Regen. Wasser, das von den Pelerinen zweier Kinder perlt, ein Hund, der da drüben sein Bein hebt, ein gähnender Kanalräumer und drei Autos, die mit unbekanntem Nummernschildern um die Ecke biegen, als kämen sie von sehr weit her: aus einer fremden Wirklichkeit oder zumindest aus einer ganz anderen Geschichte.

Die Grenzen der Realität werden in den Geschichten diverse Male übertreten und kleine Verwechslungen und Missgeschicke führen zu absurden Ergebnissen, die die Figuren oft völlig hilflos zurücklassen.


Auch wenn mir Kehlmanns einfach gehaltener Schreibstil gefallen hat, haben sich wieder die Merkmale vorgeschoben, wegen denen ich Kurzgeschichten eher ungern lese. Auch wenn hier eine episodenübergreifende Geschichte vorhanden war, boten mir die wenigen Seiten doch zu wenig Platz um die Figuren kennenzulernen und mit ihnen mitzufühlen. Und während die realitätsverwischenden Elemente auch für viele den Charme ausmachen, waren diese mir oft zu absurd für eine doch größtenteils realistische Geschichte. Das Spiel mit dem Thema Identität und die verschiedenen Erzählebenen hingegen, fand ich äußerst interessant.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
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