Kino / Godzilla im Wandel der Zeit

„Nicht die Mama. Nicht die Mama.“ Genau dieser Spruch aus meiner Lieblingskinderserie „Die Dinos“ kam mir in den Kopf, als Godzilla das erste Mal in seinem Debütfilm aus dem Jahr 1956 auftauchte. Von wegen furchterregend und gruslig. Im Rahmen eines Seminars im Sommersemester habe ich mir einige der Godzilla Filme angesehen, die im Laufe der letzten 60 Jahre über die Leinwände gelaufen sind. Und dachte mir, es wäre doch auch für euch interessant zu sehen, wie sich die Figur so verändert hat.

Der erste Film über das japanische Monster stammt aus dem Jahr 1954 und ist bis heute nur in japanischer Sprache erhalten. Ein Glück, dass die Amerikaner mal wieder dachten sie könnten alles besser und 2 Jahre später eine fast identische Version nachdrehten. Die technischen Tricks die Godzilla, der von einem kleinen Schauspieler im Kostüm dargestellt wird, in diesem Film zum Leben erwachen lassen, sind für den Zeitpunkt der Veröffentlichung erstaunlich (wenn sie auch den modernen Zuschauer nur ein wenig schmunzeln lassen). Das Monster ist ein Produkt der Atomwaffentest der Amerikaner vor der japanischen Küste. Als besetztes Land nach dem 2. Weltkrieg war es japanischen Filmemachern nicht möglich, die Vereinigten Staaten offen zu kritisieren. Sie wählten deswegen Godzilla als Symbol für die Auswirkungen, die der 2. Weltkrieg auf ihr Land hatte.

War Godzilla in seinem ersten Film noch der Zerstörer Japans, entwickelte er sich schnell zu seinem Beschützer. Neben unzähligen Kämpfen gegen andere, weltbekannte Monster wie King Kong oder Außerirdische, wurde seine Figur später auch für jüngere Zuschauer aufbereitet. Zum jetzigen Zeitpunkt werden 4 große Reihen von Godzilla Filmen unterschieden, die ausschließlich aus Japan stammen.

1998 war es erstmals einem amerikanischen Regisseur, Roland Emmerich, erlaubt worden, den Charakter in seine Filme einzubinden. Japanische Produzenten hofften vor allem, dass der Ruhm von Emmerichs „Independence Day“ dem Godzilla-Filmgenre einen neuen, internationalen Aufschub bereiten könnte. Die Tyrannosaurus Rex Darstellung aber enttäuschte sie sehr und so wird Emmerich’s Godzilla oft als Gino („Godzilla in name only“: Godzilla nur im Namen) bezeichnet und im schnell darauf produzierten Film „Godzilla: Final Wars“ parodisiert.

Der neueste Godzilla kam 2014 in die Kinos. Der Film des Independentregisseurs Gareth Edwards kann mit bekannten Schauspielern wie Ken Watanabe, Brian Cranston und Elisabeth Olsen aufwarten. In Referenz an frühere japanische Film spielt Watanabe einen Wissenschaftler namens Dr. Serizawa, der in der Original Storyline von 1954 das Monster tötete. Die Gegner des echsenähnlichen Monsters sind in diesem Film MUTOS (massiver unbekannter terrestrischer Organismus): riesige, mutierte Schaben. Wie 1954 wird auch das Thema Atomwaffen aufgegriffen. Nach einem Vorfall in einem japanischen Atomkraftwerk vertuschen die Behörden die wirklichen Ereignisse. Dass sie dieser Lage aber nicht Herr werden können, zeigt sich im Rest des Films. Dieser wird oft aus menschlicher Perspektive gedreht und zeigt die Hilflosigkeit gegenüber der blinden Zerstörungswut der Monster.


Dass Godzilla-Filme vor allem Action bieten wollen, ist seit den Anfängen der Reihe klar. Aber immer wieder greifen die Macher auch aktuelle Themen aus der Politik und Wissenschaft auf. Dabei kann es genauso um die unrechtmäßige Autorität der Amerikaner über die japanische Bevölkerung gehen, wie um die vielleicht katastrophalen Auswirkungen unserer Atompolitik. Dass ein zweiter Teil des amerikanischen Films von 2014 schon in Planung ist, zeigt, dass der „König der Monster“ noch immer populär ist.

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