Rezension / Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte

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Seiten: 218 / Verlag: btb / Hier Kaufen

Rückentext: Vom unwiderstehlichen Sog der Gefühle: „Gefährliche Geliebte“ ist ein Roman von magischer Kraft, der auf fesselnde Weise vom Einbruch dämonischer Leidenschaft ins Leben erzählt.


Hajime hat mich Ende Dreißig eigentlich alles erreicht: Eine sehr gut laufende Jazzbar, eine hübsche Ehefrau und 2 Töchter. Doch als seine ehemalige Schulfreundin Shimamoto eines Abends in seiner Bar auftaucht, lässt sich Hajme in eine Affäre hineinziehen, die sein Leben ruinieren könnte.

„Jeder führt sein eigenes Leben. Niemand kann die Verantwortung für einen anderen übernehmen. Es ist wie das Leben in der Wüste. Man muß sich einfach daran gewöhnen.“

Menschen trauern gern verpassten Gelegenheiten und Situationen hinterher, in denen man im Rückblick gerne anders gehandelt hätte. Auch Hajime kann trotz seines tollen Lebens nicht umhin, immer wieder an Shimamoto zu denken. Als sie in seiner Bar auftaucht, hält ihn deswegen nur wenig von der Affäre mit ihr zurück. Aber Shimamoto scheint verändert; nicht nur äußerlich. Eine Fahrt in die Berge offenbart, dass auch Shimamoto einige schwierige Situationen in ihrem Leben hinter sich hat. Ob echte Liebe die beiden aneinander bindet oder die Sehnsucht nach der unbeschwerten Kindheit und Jugend?

„Es war nicht gerade das gewesen, was ich eine glückliche Periode meines Lebens nennen würde – ich hatte nur als ein hartes Knäuel von unerfüllten Wünschen existiert. Ich war viel jünger gewesen, viel hungriger, viel einsamer. Aber ich war ich selbst gewesen, auf das Wesentliche reduziert. Ich konnte spüren, wie jeder einzelne Ton einer Melodie, jede Zeile, die ich las, tief in mein Innerstes sickerte. Meine Nerven waren so scharf wie ich Klinge, meine Augen glänzten von einem stechenden Licht. Und jedesmal, wenn ich diese Musik hörte, erinnerte ich mich, wie meine Augen mir damals aus jedem Spiegel entgegengelodert hatten.“

Japanische und japanisch-stämmige Autoren finden sich in meinem Bücherregal kaum (mal abgesehen von Mangas), einzig Kazuo Ishiguro hat es mit „Alles, was wir geben mussten“ geschafft, sich einen Platz zu sichern. Ob ich mit Haruki Murakami warm werde, steht noch in den Sternen. Auch wenn ich seinen ruhigen, ungekünstelten Schreibstil sehr ansprechend fand, konnten mich die Figuren nicht überzeugen. Nostalgie ist ein Verhalten mit dem man es, wie Hajime und Shimamoto, sehr schnell übertreiben kann. Seine Familie für eine Beziehung zu riskieren, die mehr in der eigenen Traumvorstellung existiert als im realen Leben, wirkt auf mich nicht romantisch, sondern als wäre man in der Pubertät stecken geblieben.


„Gefährliche Geliebte“ war leider kein Einstieg in das Werk des Autors Murakami der mich überzeugen konnte. Auch wenn der Roman zeigt, dass unsere Vergangenheit die Macht hat uns auf lange Zeit stark zu beeinflussen, konnte ich mit den Figuren gerade wegen dieser Nostalgie nicht warm werden.

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Grafik: Christina Koorman

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