Filmkritik / The Sapphires

The-Sapphires_dvd_cover
Quelle: http://images.cinefacts.de/The-Sapphires_dvd_cover.jpg

Komödie / Darsteller: Chris O’Dowd, Deborah Mailman, Jessica Mauboy / Jahr: 2013 / Hier Kaufen!

Seit Kindesbeinen an lieben es die Aborigine-Schwester Gail, Julie und Cynthia zu singen und träumen von einer Karriere im Showbusiness. Als sie bei einem Wettbewerb den Iren Dave Lovelace kennen lernen, scheint ihr Traum wahr zu werden. Er begeistert die Mädchen für Soul-Musik und zusammen mit ihrer Cousine Kay bekommen sie ein Engagement: Sie sollen vor den amerikanischen Truppen in Vietnam auftreten…

Australische Filme sind in europäischen Kinos eher selten anzutreffen und so hatte ich auch nur am Rande von „The Sapphires“ gehört, bis es uns vor kurzem im Unterricht empfohlen wurde. Vorrangig ist dieser Musikfilm natürlich ein „Feel-Good-Movie“, der mit tollen Liedern, Humor und einer Liebesgeschichte ausgestattet ist. Aber auch eine wahre Geschichte von sozialen Spannungen im Australien des 20. Jahrhunderts ist.

Ich bin Gail, das ist Cynthia und ich will hier nur eins klarstellen: Sie sitzen hier auf Aborigine Land.

Unterschwellig zeigt der Film eine Zeit der australischen Geschichte, die wir so eher in Amerika erwartet hätten. Der Rassenhass, der den Mädchen während des ersten Wettbewerbs in ihrem Heimatort entgegenschlägt, ist erdrückend. Vor Beginn des Film gibt es auch eine kurze, historische Einführung zu den Stolen Generations: Aborigine Kinder, die aufgrund ihrer hellen Hautfarbe ihren Familie weggenommen wurden, um sie wie Weiße zu erziehen. Schade finde ich, dass das im Film dann nur eine kleine Rolle spielt und der Konflikt zwischen den Mädchen eher wie Eifersucht wirkt und die zerrissene Identität von Kay nicht richtig erklärt wird.

Der Film will zeigen, wie die Mädchen ihre Kindheit in ärmlichen Verhältnissen hinter sich lassen und vor der Kulisse des Vietnamkrieges zu sich finden. Dass der Krieg aber kein Abenteuer ist, müssen die Mädchen relativ schnell feststellen: Verwundete und Gefechte machen auch vor einer Musikgruppe nicht halt.

Könnt ihr es Schwärzer klingen lassen?

Dass man bei der Werbung des Films vor allem auf die Popularität Chris O’Dowds spielt, finde ich zwar verständlich, aber auch eine falsche Widerspiegelung des Films. David Lovelace hat als immer betrunkener Manager kaum eine entscheidende Rolle, mal abgesehen davon, dass er sie dazu bringt Soul statt Country zu singen. Die Mädchen sind die Hauptfiguren und können den Film auch alleine sehr gut stemmen.


Dass „The Sapphires“ eher ein Wohlfühlfilm ist, anstatt historische Fakten exakt wiederzugeben, tut dem Genuss des Films keinen Abbruch. Liebe, Humor und tolle Musik bieten die vier Mädchen, genauso wie Konflikte und Identitätsprobleme. Wer also einen mitreißenden Film will, der aber auch Mehrwert vermittelt, ist hier richtig.

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