Rezension / Bill Bryson – Shakespeare

Bryson.Shakespeare(edit)

Seiten: 200 / Verlag: Harper Perennial / Hier Kaufen

Als Anglistik Studentin kommt man um Shakespeare einfach nicht drum herum – in den meisten Fällen will man das ja garnicht. Und auch wenn wir eigentlich seine Werke diskutieren sollten, kommt natürlich die Frage um seine Identität auf. Edward de Vere, Ben Johnson oder Christopher Marlowe – die Liste der Leute, die seine Werke angeblich geschrieben haben sollen, scheint endlos. Bill Bryson dagegen hat sich vorgenommen, in seiner Biografie nur Fakten zu verwenden, die belegbar sind. Deswegen ist das Buch auch zugegebenermaßen ganz schön dünn.


Dass das übliche Wissen über Shakespeare auf wackligen Füßen aufgebaut ist, stellt Bryson gleich zum Anfang dar. Selbst die Bildnisse des großen englischen Dramatikers waren jahrelang verschollen und werden ihm jetzt einfach nach Gutdünken zugeordnet. Genauso wie die Reihenfolge und die tatsächliche Anzahl seiner Stücke nur geschätzt werden können.

„Before he came into a lot of money in 1839, Richard Plantagenet Temple Nugent Brydges Chandos Grenville, second Duke of Buckingham and Chandos, led a largely uneventful life.“ (S.1)

Der Leser mag sich bei diesem Anfangssatz fragen, wer zur Hölle dieser Duke ist und was er mit Shakespeare zu tun hat. Er bietet aber auch ein perfektes Beispiel für Brysons unnachahmliche Art zu schreiben und dem Leser selbst die abstrusesten oder trockensten Fakten auf amüsante Weise näher zu bringen. Egal ob es um Shakespeare-Fanatiker geht, die ihr gesamtes Vermögen in Reisen zu staubigen Archiven stecken oder die Anzahl der Wörter die Dank Shakespeare bis heute in unserem Wortschatz sind. Diesem Duke gehörte übrigens eines der angeblichen Portäts, was aber erst Jahre später zugestaubt auf einem Dachboden gefunden wurde.

Das Shakespeare einen großen Einfluss auf die englische Theaterkultur, aber auch auf die Sprache hatte, ist wohl nur Studenten seiner Werke klar. Deshalb fand ich auch Brysons Erläuterungen zu den Dramen und Sonneten interessant. Aber anstatt wie ein Lehrer in der Schule Reimschema und Betonung herunterzubeten, zeigt uns Bryson die Wörter auf, die Shakespeare erfunden und berühmt gemacht hat und dass seine beliebten Liebesbekundungen wohl eher an einen Mann, als an eine Frau gerichtet waren.

„He produced such a torrent of new words and meanings that a good many, as Otto Jespersen once bemusedly observed, ‘perhaps were not even clearly understood by himself’.“ (S.113)

Während andere Biografien oft in pathetischen Darstellungen ihrer berühmten Figuren ertränkt werden, beschäftigt sich Bryson auf eine lockere Art mit seinem Thema. Das macht die Lektüre nicht nur zum Bildungswerk, sondern auch zum netten Zeitvertreib. Auch wenn er seinem Vorsatz treu bleibt und die Spekulationen offensichtlich kennzeichnet und im Rahmen hält, schafft es auch Bryson nicht seine Biografie nur mit reinen Fakten zu füllen.


Dass Brysons Biografie keine neuen, alles umwerfenden Erkenntnisse zum Leben und Ableben des Barden bietet, ist klar. Dass es der Autor aber schafft aus wenigen Fakten eine spannende, informative Sicht auf das elisabethanische England und sein Theater zu schaffen, macht dieses Buch zu einer meiner liebsten Uni -Lektüren.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
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