Filmkritik / Zwei Genies im Kampf um den Oscar

Am Sonntag ist es wieder soweit: In Los Angeles werden die Oscars verliehen. Zwei Kandidaten für den Preis „Bester Film“ konnte ich mir anschauen und die wollte ich euch heute kurz vorstellen: „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ und „Die Entdeckung der Unendlichkeit“.

„The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (Dir. Morten Tyldum)

Während auf den Schlachtfeldern Europas die Maschinengewehre donnern, versucht man in England den Code der deutschen Verschlüsselungsmaschine „Enigma“ zu knacken, der als unlösbar gilt. Alan Turing (Benedict Cumberbatch), ein Mathematik-Genie, entwirft dazu eine Maschine namens „Christopher“ und schafft damit den Vorläufer heutiger Computer. Aber nicht nur sein Team, auch seine Vorgesetzten glauben nicht an dessen Erfolg.

Doch die Arbeit für den englischen Staat ist nicht das einzige was Turing geheim halten muss. Zur Tarnung für seine Sexualität hält er um die Hand der einzigen Frau in der Gruppe, Joan Clarke (Keira Knightley), an, die, wie er, eine schwierige Position in dieser männerdominierten Welt hat.

Doch die Geheimhaltung endet nicht mit dem Sieg der Alliierten. Der Film wechselt zwischen drei Zeitebenen hin und her; zeigt auch Turings Jugend und sein Leben nach dem Krieg und wir erfahren, wieso der Wissenschaftler 1954 Suizid beging.

„Die Entdeckung der Unendlichkeit“  (Dir. James Marsh)

Cambridge in den 1960ern: Ein junger Stephen Hawking beginnt gerade erst an seinen Theorien der Raum und Zeit zu arbeiten, die unser Verständnis des Universums für immer verändern werden, als er sich in die junge Studentin Jane Wilde verliebt und bei ihm kurz darauf die unheilbare Nervenkrankheit ALS diagnostiziert wird. Die Ärzte geben ihm nur wenige Jahre.

Der Film zeigt nicht nur die Entwicklung der Krankheit und Hawkings immer schlechter werdenden Gesundheitszustand, sondern auch das junge Familienleben und die Energie, mit der sich der Wissenschaftler in seine Arbeit stürzt und den Vorhersagen seiner Ärzte die Stirn bietet.

Eddie Redmayne und Felicity Jones spielen ein Ehepaar, das trotz aller Schwierigkeiten zueinander hält und sich gemeinsam durchs Leben kämpft. Basierend auf dem Memoir von Jane Wilde, „Die Liebe hat elf Dimensionen: Mein Leben mit Stephen Hawking“, gibt der Film intime Einblicke in das Leben des Wissenschaftlers und spart keineswegs die Probleme aus, mit denen auch ihre Ehe zu kämpfen hat.


Besonders beliebt scheinen bei den diesjährigen Oscars biografische Filme zu sein. Neben „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ und „The Imitation Game“, stehen auch noch „American Sniper“ und „Selma“ auf den Nominierungslisten.

Obwohl beide Filme von britischen Schauspielern dominiert werden, haben sie eine ganz unterschiedliche Atmosphäre. Während Turing und seine Gruppe in ihrem Kampf gegen Intoleranz, Unwissenheit und die Nazis heroisch dargestellt werden, ist der Film über Stephen Hawking viel ruhiger und mit den Beziehungen der Figuren beschäftigt. Auch Felicity Jones hat in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ eine große Rolle neben dem brillant spielenden Eddie Redmayne, während neben dem wie immer talentierten Cumberbatch alle anderen Schauspieler recht blass und unnötig wirken.

Meine Daumen werden also kräftig für Eddie Redmayne gedrückt sein, der seine bisherigen Rollen mit der Darstellung Hawkings übertroffen und damit hoffentlich den Sprung in die A-Liga der Schauspieler geschafft hat. Während Cumberbatch eine solide, aber keineswegs sich selbst übertreffende, Leistung als Alan Turing ablegt. Wer die beiden Briten auf gleicher Basis vergleichen will, dem ist Cumberbatchs Performance als Stephen Hawking in „Hawking – Die Suche nach dem Anfang der Zeit“ ans Herz gelegt, die ich durch Zufall eines Nachts auf ARTE anschauen konnte.

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