„Wir gehen zusammen. Du weißt wohin.“ …

… Eine Rezension von Benjamin Leberts „Mitternachtsweg“.

Mitternachtsweg

Autor: Benjamin Lebert / Titel: Mitternachtsweg / Verlag: Hoffmann & Campe* / Seiten: 240 // Kaufen?

Als Peter Maydell, pensionierter Journalist einer norddeutschen Zeitung, einen ungewöhnlichen Brief seines Schützlings Johannes Kielland erhält, macht er sich auf den Weg nach Sylt. Eine Liebesgeschichte beginnt aus der Vergangenheit die Gegenwart zu beeinflussen und die Grenzen der Wirklichkeit zu verschieben.

Das Benjamin Lebert mit „Crazy“ kein One Hit-Wonder geschrieben hat, ist schon länger klar. Das Interesse für geheimnisvolle Orte scheint eine Leidenschaft des jungen Autors zu sein. Nach der Gefängnisinsel Alcatraz ist nun das eigentlich beschauliche Sylt der Schauplatz seines neuen Romans.

„Im Verlauf meines zugegebenermaßen noch jungen Lebens habe ich den Eindruck gewonnen, das jede Geschichte, egal welcher Art, letztlich immer nur von diesem einen kurzen Moment aus erzählt wird, in dem sich das Herabfallen in die Tiefe ankündigt, aber schon nicht mehr verhindert werden kann.“

Auch Johannes Kielland begibt sich nach dem Absenden seiner Geschichte auf eine Fahrt ins Unbekannte, die für ihn mit großer Sicherheit nicht gut enden kann. Während der Leser zusammen mit Peter Maydell den Ereignissen der letzten Wochen folgt, beginnt ein unheimlicher Schauer und eine dunkle Vorahnung sich zu festigen und lässt sich nicht wieder abschütteln.

„Die Reiseschreibmaschine habe ich einmal auf dem Trödelmarkt am Berliner Tiergarten gekauft. Wie lächerlich diese Dinge sind, mit denen ich mich im Verlauf der Jahre eingedeckt habe. Diese alten Dinge, um die herum ich mir eine Identität aufgebaut habe. Der Sonderling, der noch mit der Schreibmaschine schreibt. Der Sonderling mit den langen Haaren, der immer nur Schwarz trägt und die Finsternis kennt. Heute weiß ich, dass ich keinen blassen Schimmer von der Finsternis hatte.“

Johannes Kielland ist ein ungewöhnlicher Hauptcharakter für ein Buch: ruhig, zurückgezogen, ständig dem Versuch erlegen sich von seiner Umwelt abzugrenzen. Maydell lernt ihn kennen, als der junge Mann ihm Geschichten über mysteriöse Geschichten, den sogenannten Urban Legends, aus ganz Deutschland zuschickt, die ab da in der Regionalzeitung veröffentlicht werden und eine große Leserschaft begeistern zu wissen. Doch erst die Begegnung mit der schönen Helma Brandt bei einem Recherche Besuch auf der Insel Sylt, lässt ihn mutiger und aggressiver in seinem Verhalten werden. Bevor er sich versieht, ist er in eine Beziehung mit der Vergangenheit getreten, deren Hintergründe er nicht versteht und die ihn mit sich in die Tiefe reißt.


Lebert verbindet in seinem Roman Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion zu einer versponnenen Geschichte über Liebe, Verlust und den Mitternachtsweg: Einen Brauch auf Sylt, der Liebende, die für einander geschaffen sind, noch enger aneinander binden soll.

Tassen-4von5
Grafik: Christina Koorman

* Ein großes Dankeschön an den Hoffman & Campe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s