Rezension / Zelda Fitzgerald – Ein Walzer für mich

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Originaltitel: Save me the Waltz

Verlag: Diogenes

Seiten: 368

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Sie galten als DAS Glamourpaar der 20er Jahre: F. Scott und Zelda Fitzgerald. In ihrem Roman, dessen biografische Züge kaum geleugnet werden können, beleuchtet die Autorin ihre Ehe und die gemeinsame Zeit in Europa.


Alabama Beggs, das Alter Ego der Autorin, wächst in den Südstaaten der USA auf. Ein altkluges Kind, dass weder die Entscheidungen ihrer Schwestern noch ihrer Eltern hinsichtlich potentieller Ehemänner und der Zukunft versteht. Als der kreative Maler David Knight auftaucht, entflieht sie nur zu gern mit ihm. Erst nach New York und dann über den großen Teich nach Europa.

„Sie dachte an Joan. Verliebt zu sein, fand sie, heißt eigentlich nur, einem anderen Menschen die eigene Vergangenheit zu offenbaren, und die ist meistens ein so sperriges Paket, dass man all die losen Strippen nicht mehr allein zusammen halten mag.“

Eine melancholische, erdrückende Stimmung durchzieht das Buch und die Darstellung des Alltags der Familie Knight, die weder durch den Urlaub in Italien, noch durch die gemeinsame Tochter gehoben wird. Alabama lässt sich, von David vernachlässigt, auf eine Affäre ein, die schlecht endet und die beiden nach Paris treibt. Alabama stürzt sich ins Ballett und trainiert wie eine Wahnsinnige bei einer ehemaligen russischen Ballerina, auf der Suche nach einem eigenen Lebensinhalt; fern von Ehemann und Tochter.

„Diese Russen! Gestillt mit galanter Großzügigkeit und entwöhnt mit dem Brot der Revolution, geistern sie durch Paris! Alles Mögliche geistert durch Paris. Paris ist voller Geister.“

Ihre Flucht bietet dem Leser einen Blick auf die Gegensätze von Paris: die Parties und das kreative Durcheinander; aber auch die dreckigen, zugigen Ecken, belebt von Künstlern und Einwanderern, die träumen, dass Paris ihr großer Durchbruch sein wird.

„Niemand wusste, wessen Party es war. Sie war schon seit Wochen im Gang. Wenn man fürchtete, die nächste Nacht nicht zu überleben, ging man nach Hause und schlief, und wenn man zurückkehrte, hatte eine neue Gruppe die Aufgabe übernommen, die Party in Schwung zu halten.“

Was von der Zelda Fitzgerald als schonungslose Offenlegung ihrer Ehe und ihres Lebensstils gedacht war, wurde von ihrem Mann aufs Ärgste beschnitten. Nachdem sie ihr Manuskript beim Verlag Scribner’s eingereicht hatte, zogen diese ihren Ehemann zu Rate und dieser kürzte 1/3 des Inhalts aus dem Roman.


Fazit:

Das vorliegende Buch ist wahrscheinlich nur eine seichte Version des Originals, aber trotzdem ein mitreißendes Stück Literatur- und Zeitgeschichte.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
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