Rezension / Sabrina Janesch – Tango für einen Hund

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Autorin: Sabrina Janesch

Titel: Tango für einen Hund

Verlauf: aufbau Verlag

Seiten: 303

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Ernesto Schmitt hat neben dem Namen, den ihm seine 60er Jahre verhafteten Eltern gegeben haben, noch ganz andere Probleme. Nach seinem Abitur muss er Sozialstunden ableisten, anstatt seine geplante Dokumentation in Südamerika zu drehen, die ihm die Aufnahme an der Filmhochschule bringen soll. Als sein Onkel aus Argentinien dann zusammen mit einem riesigen Hund in der Lüneburger Heide auftaucht und Ernesto bittet, ihn zu einer Hundeausstellung zu fahren, nimmt Ernestos Sommer eine weitere Wendung.


Ernesto Schmitt hat gerade sein Abi bestanden und möchte eigentlich nur weg aus der norddeutschen Ebene. Ein Studium an einer Filmhochschule soll sein Start in die große, weite Welt sein, aber eine brennende Mühle und darauf folgende Sozialstunden verhindern seine Flucht.

„Was soll man hier schon groß mit einem Reiserucksack. Oder mit Wandern. Ist ja nicht Patagonien. Oder die Wüste Gobi. Und der Himalaya erst recht nicht. Das hier ist bloß Norddeutschland, und mal ehrlich, auch wenn es mittlerweile allen klar geworden sein sollte: Hier gibt es nichts zu sehen, klar, hier passiert nichts, hier wohnt niemand Interessantes, hier laufen keine spannenden Tiere herum. Hier spielen aus verdammt guten Gründen weder Filme noch Bücher.“

Doch ein riesiger Hund und ein verrückter Onkel aus Argentinien, die auf einmal in seinem Garten auftauchen, bringen seinen gesamten Tag durcheinander. Auf der Flucht vor seinem Sozialarbeiter geht es für das ungewöhnliche Dreiergespann durch die weite Ebene des deutschen Nordens, wo sie nicht nur Anbeter nordischer Gottheiten, sondern auch auf eine Lamafarm mit äußerst hübschen Anwohnern treffen.

Ein Roadtrip, ganz anders und viel lustiger angelegt als der in Janeschs Erstlingsroman Katzenberge, der mit liebevollen, ulkigen Charakteren bezaubert. Leser, wie Hauptfigur, erkennen langsam, dass die Heide keineswegs ein langweiliger, stillstehender Ort ist, sondern voller Leben und den unterschiedlichsten Personen und Gegebenheiten steckt. Und dass manchmal die eigenen Träumereien zurückgelassen werden müssen und man einfach ins Auto steigen und losfahren muss.

„Wenn man erstmal tot ist, dann gibt es nichts mehr nachzuholen oder zu erklären. Alles, was man machen will, jede Mission, die man erfüllen muss: Jetzt oder nie. Morgen ist bloß eine Illusion. Jederzeit kann es nämlich heißen: Game over. BÄM, Autounfall. BÄM, Herzinfarkt.“


Fazit:
Janesch würde auch ihrem Hauptcharakter zeigen, dass selbst die Lüneburger Heide als Platz für eine komische und rasante Geschichte herhalten kann, die vor allem mit ihren ungewöhnlichen Figuren den Leser überzeugt.

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Grafik: Christina Koorman

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