Sebastian Faulks – A Week in December

Week in December

Verlag: Hutchinson

Seiten: 352

Amazon

Inhalt

Sebastian Faulks begleitet in seinem Roman unterschiedlichste Bewohner Londons in der Woche vor Weihnachten im Jahr 2004.

Meine Meinung

Doch auch wenn sein Roman in der Weihnachtszeit spielt, kommt in Faulks Roman keine warme, glühweingeschwängerte Stimmung auf. Statt sich mit seinen Liebsten und den Feiertagen zu beschäftigen, leben die Charaktere in ihren ganz eigenen Wirklichkeiten, abgeschottet von der realen Welt.

Der Finanzmakler John Veals ist mit dem größten Deal seines Lebens beschäftigt, der ihm Milliarden Euro auf sein, vorm Finanzamt gut verstecktes, Konto schwemmen würde. Obwohl er seine angehäuften Geldmassen auch in mehreren Menschenleben kaum würde ausgeben können, verbringt er mehr Zeit vor Computerbildschirmen mit den Börsen verschiedener Länder, als mit seiner Frau und seinem Sohn.

Auch die ganz normale U-Bahnfahrerin Jenni Fortune, die nicht ganz so vom Glück gesegnet ist, wie ihr Nachname weiß macht, flüchtet sich vor ihrem tristen Privatleben in eine virtuelle Welt auf dem PC namens Parallex, in dem sie allein die Macht über das Leben ihrer geradezu stinknormal gearteten Figur hat.

MACHT. Ein zentraler Faktor in Faulks Roman, so unterschiedlich die Charaktere auch sein mögen. Macht über Finanzen, die kein Gesetz kontrollieren kann. Macht über ein Leben, das besser sein soll als das eigene reale. Macht, anderen Leuten seine Meinung aufzuzwingen, wie im Fall von Hassan der drastischere Mittel ergreifen will um die unmoralische, verkommene, westliche Welt zu einem gottesfürchtigen Staat zu machen.

Und dann gibt es noch diese kleinen, selten erwähnten Figuren, die versuchen in einer Welt voller Macht und Reichtum zurechtzukommen. Olga, das ukrainische Nacktmodel das versucht den ersten Mann aufrichtig lieb zu gewinnen, der ihr mehr als nur Geld und kurzfristige Aufmerksamkeit schenkt. Sophie, Veals Ehefrau, deren eheliche Selbstständigkeit dann doch zu wenig Zuwendung und Intimität bietet, weswegen sie versucht ihre freie Zeit mit Alkohol und schlechtem Reality TV zu füllen.

Faulks zeigt an seinen Figuren, dass weder Macht noch Reichtum, noch Fanatismus einen Menschen und vor allem die Personen in seiner Umgebung glücklich machen. Dass menschliche Nähe mehr bringt, als religiöser Zusammenhalt. Dass es nur selten glücklich macht, andere Leute kaputt zu machen um selbst als Sieger dazustehen – was trotzdem in unserer Welt viel zu oft der Fall ist.

Fazit

Auch wenn Faulks Roman Themen anspricht die in der heutigen Zeit gegenwärtig sind, wie der Wunsch nach Macht, Reichtum und dem eigenen Ruhm, fehlte mir doch der große Knoten im Netz der Geschichte. Die Figuren kennen sich teilweise untereinander durch familiäre oder andere soziale Beziehungen und doch fehlt am Ende das eine Ereignis, dass sie alle zusammenbringt. Die große, alles unifizierende Katastrophe bleibt aus und der Leser bleibt mit dem Gefühl zurück nur viele kleine Teile gesehen zu haben, aber nie das große Ganze.

Tassen-2von5(Grafik: Christina Koorman)
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s