Harper Lee – Wer die Nachtigall stört…

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Buchklappentext:

Harper Lee beschwört den Zauber und die Poesie einer Kinndheit im tiefen Süden der Vereinigten Staaten: Die Geschwister Scout und Jem wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit des Rassenhasses in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Fink, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Fink lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen ihrer „ehrbaren“ Mitbürger zum Trotz.

Originaltitel: To kill a Mockingbird
Verlag: rororo
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
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Meine Meinung:

„Wer die Nachtigall stört…“ ist nicht nur ein Klassiker der Weltliteratur, sondern auch ein Roman, den man als Student der American and British Studies unbedingt gelesen haben muss. Bei mir war das bisher noch nicht der Fall und als mein Blick im Regal darauf fiel, sagte ich mir: Jetzt muss es sein. Bisher habe ich noch keinen Roman über die Südstaaten gelesen; meine gesamten Kenntnisse beziehen sich lediglich auf mehrfache Wiederholungen von „Vom Winde verweht“.

Lee’s Roman spielt auch in den Südstaaten, allerdings in einer Zeit in der die schwarze Bevölkerung mehr Rechte, wenn auch immer noch zu wenige hat. Atticus Fink ist Anwalt und wird als Pflichtverteidiger für Tim Robinson eingesetzt, der eine weiße Frau vergewaltigt haben soll, was für ihn ein Todesurteil wäre. Diese Arbeit belastet Atticus schwer, beeinflusst sie doch auch das Leben seiner beiden Kinder, die auf dem Schulhof und der Innenstadt immer wieder öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand angefeindet werden.

Seine Erziehung der beiden beinhaltete, sie wie Erwachsene zu behandeln. Trotzdem sind die Kinder unwissend über viele andere, teilweise alltägliche Dinge. Dieser Kontrast und die stetige Ausdrucksweise der Kinder, die kaum ihrem Alter entsprach, störten mich doch sehr, da sie wenig realistisch erschienen. Das Mädchen Scout eckt auch mit anderen Verhaltensweisen bei den anderen Charakteren an. Vor allem ihre Tante Annabelle missbilligt sehr, dass Scout sich sehr jungenhaft verhält und sogar in Hosen umherläuft. Hier, wie in der Behandlung der farbigen Bevölkerung, zeigt sich, dass Konventionen fest verankert und kaum zu durchbrechen sind.

„[Scout], du willst doch mal eine Dame werden, wie?“
„Nicht unbedingt.“
„Selbstverständlich willst du das.“

Der Alltag der Kinder, der gezeigt wird und wie sie die Ferienzeit mit ausgedachten Spielen und baden im See verbringen, wirkten im Gegensatz zu den späteren Geschehnissen sehr idyllisch.

„Der Sommer rückte näher, Jem und ich erwarteten ihn mit Ungeduld. Der Sommer, unsere beste Jahreszeit, bedeutete, dass wir in Feldbetten auf der durch Fliegenfenster geschützten Hinterveranda schlafen und gelegentlich sogar versuchen durften, im Baumhaus zu übernachten. Der Sommer brachte alles, was gut schmeckte, er brachte Tausende von Farben in einer sonnenversengten Landschaft, und vor allem brachte er uns Dill.“

Die Verhandlung über Tim Robinson’s Schicksal zerstört diese alljährliche sommerliche Idylle. Sie lässt die Charaktere des Buches, wie auch den Leser stetig an der guten Seele der Menschen zweifeln. Doch obwohl das Geschehen tragisch endet, kann Atticus, und auch der Leser eine hoffnungsvolle Botschaft aus dem Buch mitnehmen:

„Ich habe gestern Abend auf der Veranda gesessen und gewartet… Und während ich wartete, dachte ich: Atticus Fink wird nicht gewinnen, das ist unmöglich, aber er ist der einzige Mensch in dieser Gegend, der Geschworene dazu bringen kann, dass sie so lange über einen derartigen Fall beraten. Und das, sagte ich mir, ist ein Schritt vorwärts – ein Babyschritt zwar, aber immerhin ein Schritt.“

 

Fazit:

Obwohl dieser Roman zu den Klassikern der Weltliteratur zählt, wird er nicht bei meinen Lieblingsbüchern landen. Die Geschichte wird erst spät im Buch spannend und mitreißend. Und die Darstellung der Kinder ist mir zu erwachsen, als dass ich mich für sie erwärmen könnte. Trotz allem zeigt der Roman einen Wendepunkt in der Geschichte der USA, der es Wert ist erzählt zu werden.

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(Grafik von Christina Koormann)
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