Józef Ignacy Kraszewski – Gräfin Cosel

Buchklappentext:

Józef Ignacy Kraszewski (1812 – 1887), Angehöriger des polnischen Kleinadels und Teilnehmer an dem Aufstand von 1830, deshalb inhaftiert und später nach Dresden emigriert, schrieb mehr als 200 Romane. Die besten sind die sogenannten Sachsenromane, zu denen neben „Brühl“ (1874), „Aus dem siebenjährigen Krieg“ (1875) auch „Gräfin Cosel“ (1873) gehört. In diesem Roman gestaltet Kraszewski das bewegte Schicksal einer Mätresse am Hofe Augusts des Starken.

 

9783746627809

 

Meine Meinung:

Die Gräfin Cosel war nicht nur eine Mätresse Augusts des Starken, sondern DIE Mätresse. Jahrelang lebte sie an der Seite des Königs, im Wissen, dass er ihr eidesstattlich die Ehe versichert hatte, sobald seine derzeitige Frau stirbt. Anders als viele Mätressen bestand die Gräfin auf diese vertraglich festgelegte Versicherung um sich ihre Ehre zu wahren. In anderen Punkten scheint die Frau aber nicht aus den Fehlern ihrer Vorgängerinnen gelernt zu haben und macht sich munter Feinde am Hof.

Das Buch wurde mir vor Jahren von meiner Mutter empfohlen, verstaubte aber in meinem überfüllten Regal, bevor ich es vor kurzem herauszog. Leider kann ich ihre Begeisterung für den Roman nicht teilen. Obwohl die Gräfin Cosel die Hauptperson des Romans sein soll, schafft es der Autor nicht, dass ich Sympathie für sie empfinde. Die herrschsüchtige, arrogante Haltung der Frau kann nur unweigerlich zu ihrem Sturz führen. Natürlich stellt sie sich mit dieser Handlung der Unterdrückung der Frauen zu der Zeit entgegen, allerdings macht sie dies keineswegs sympathisch.

Anna schrie empört: „Die Verruchten! Sie schachern also mit uns wie mit Sklavinnen. … Und wir?“
„Sind ihre Opfer.“

Die Sprache des Romans ist kitschig und übertrieben, genau wie die ständigen Eifersuchtsszenen und die tränenreichen, aber gehaltlosen Entschuldigungen die folgen. Keine der Personen wirkt sonderlich sympathisch, sei es die Gräfin oder der genusssüchtige König Sachsens. Die handelnden Personen stammen allesamt aus dem Adel und ich finde es schade, dass keinerlei Bezug auf das Leben der unteren Schichten genommen wird. Selten sind Anmerkungen zu den Dienern oder der sorbischen Minderheit zu finden, abgesehen vom der stereotypen sorbischen alten Hexe, die Anna Cosel ihr grausames Schicksal voraussagt.
Ob der Roman den geschichtlichen Tatsachen treu bleibt, ist nicht zu erkennen. Allerdings schrieb der Autor eine Menge Romane die in dieser Zeit spielen und in denen die Figuren wieder auftauchen. Ein gewisses Wissen über die Geschichte kann man bei ihm also vermuten.

 

Fazit:

Im Allgemeinen kann man den Roman als historisch angehauchten Liebesroman bezeichnen, der nicht mit Herzschmerz und Intrigen geizt. Wer also auf solche Lektüre steht, dem kann man dieses Buch trotz seiner Fehler empfehlen. Allen anderen rate ich davon ab und lege ihnen lieber Bücher wie Eva Stachniak „Der Winterpalast“ an Herz.

1/5

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