Rezension: Eva Stachniak – Die Zarin der Nacht

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Klappentext:
Katharina die Große steht auf dem Gipfel ihrer Macht: Einst war sie als schüchterne Prinzessin nach Sankt Petersburg gekommen, nun krönt sie sich zur Zarin eines Weltreichs. Gleich mehrere Liebhaber verzehren sich nach ihrer Nähe. Doch sie kann sich ihrer Herrschaft niemals sicher sein, jeder Günstling kann ein Verräter, jedes Lächeln eine heimtückische Maske sein…

Meine Meinung:
Eva Stachniak legte mit „Die Zarin der Nacht“ die zweite Hälfte ihres biografisch angehauchten Romans über Katharina die Große vor. Dieser Teil wird aus der Sicht der Zarin erzählt. Im Gegensatz zum ersten Band, der von der Zofe Warwara erzählt wurde, was ich sehr spannend fand. Die ihr auferlegte Zurückhaltung im Umgang mit den anderen, meist höher gestellten Persönlichkeiten, wurde durch ihre zweite Tätigkeit als Spionin mehr als aufgewogen. Die Zwistigkeiten und Heimlichkeiten des Herrscherhofes erinnerten einen sehr an Daily Soaps und ein wenig auch an das eigene Leben.

„Gegen Verleumdung helfen keine Argumente. Sie breitet sich aus wie Ungeziefer. Sie huscht in allen dunklen Winkeln umher und hinterlässt überall ihren Dreck. Unter den Kleidern von Reisenden versteckt oder zwischen Seiten von Büchern oder in doppelten Böden von Koffern, kommt sie ins Land und vergiftet die Herzen.“

Im zweiten Teil wird auch der Eindruck Katharinas als schüchterne, naive Person revidiert, die man als Leser im ersten Band erhielt. Offensichtlich war Warwara doch keine so gute Spionin wie gedacht. Oder sie ließ sich zu sehr von persönlichen Gefühlen zu Katharina ablenken um deren spannende Machenschaften zu erkennen.
Im Gegensatz zu anderen Rezensenten würde ich das Buch keineswegs als lieblose Aufzählung ihrer diversen Liebhaber bezeichnen. Männer wie Grigori Orlow und Fürst Potjomkin spielten wichtige Rollen in dem Leben der Zarin.

„ «Sind wir wirklich Kinder der Vorsehung, Grischenka? Sind wir Gesegnete?» Er antwortete nicht, aber seine Arme halten sie fest. Ein Gedanke blitzt in ihr auf: Solange sie sich noch in seiner Umarmung verlieren kann, wird sie die Kraft aufbringen, weiterzugehen.“

Auch wenn sie immer Einfluss auf ihre Regierung hatten, nahmen sie ihr doch nie das Zepter aus der Hand. Die Beziehungen spielten sich immer auf einer sehr empfindsamen Ebene ab. Weit ab von den Gerüchten über die sexgierige Zarin, die es sogar mit einem Pferd getrieben haben soll.
Auch Anspielungen an den Feminismus sind im Buch zu erahnen. Immer wieder erkennt man die verschiedenen Maßstäbe an denen die Herrscher Europas gemessen werden. Was für die Männer in Ordnung ist, wird bei Katharina sofort als Machtgier gesehen.

„Wenn ihr es tut, ist es etwas Gutes. Wenn ich es tue, ist es eine Sünde. Sie sind ehrgeizig. Sie ist süchtig nach Ruhm. Sie sind klug. Sie ist verschlagen.“

Das war schon bei Katharinas Vorgängerin Elisabeth so und es stimmt mich etwas traurig, dass sie aus deren Fehlern nichts gelernt zu haben scheint. Die Übergehung ihres Sohnes in der Thronfolge zieht wie bei ihrem Mann einen Rattenschwanz des Unfriedens und des schwelenden Konflikts nach sich, der nicht nur ihre Herrschaft, sondern auch ihre Erbschaft stört.

„Ein Enkel, frisch und unverdorben wie ein Stück neu gewebtes Tuch, kann für einen unvollkommenen Sohn entschädigen.“

 

Bewertung:

3/5

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