Rezension / Fiesta von Ernest Hemingway

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Originaltitel: The Sun Also Rises / Seiten: 201 / Verlag: Bechtermünz Verlag

Kurzbeschreibung:

In seinem semi-biografischen Roman lässt Hemingway sein Alter Ego Jacob Barnes zum Stiefkampf in Pamplona reisen. Mit dabei: Freunde aus seiner Uni-Zeit in Amerika und seine ehemalige Liebste Brett. Diese allerdings, kann sich partout nicht zwischen Jakob, ihrem Verlobten Michael und dem jungen Stierkämpfer entscheiden, den sie während der Fiesta in Pamplona treffen.

Meine Meinung:

Seit „Midnight in Paris“ und der hervorragenden Schauspielkunst von Corey Stoll, bin ich ein riesiger Fan von Ernest Hemingway und habe sein Paris-Buch „Paris – Ein Fest fürs Leben“ verschlungen.

Als DER Vertreter der „Lost Generation“, hält sich Hemingway nicht mit vielen Beschreibungen und endlosen Gesprächen auf. Sein Schreibstil ist kurz und knapp und ganz nach seiner selbstaufgestellten Eisberg-Theorie (nur 1/8 Inhalt im Text sichtbar), enthält der Text teilweise nur Anspielungen auf diverse vorangegangene Situationen, die der Leser sich dann selbst dazu dichten darf. Ob Jakob nun seit seiner Kriegsverletzung mit Impotenz geschlagen ist, wird nie genau gesagt, aber seine Entmannung schwebt über seiner Beziehung zu Brett, die auch deswegen nicht wirklich ins Rollen kommt.

Die Handlung selbst ist in 3 große Abschnitte geteilt, von denen der erste noch in Paris spielt. Der Ausnahmezustand der Fiesta während der Stierkämpfe in Teil 2 zaubert ein ausgelassenes Bild der Zeit, in der es vor allem darum geht Spaß zu haben.

Die Liebesgeschichte um Brett, Jakob und die anderen männlichen Figuren des Romans bringt immer wieder Konflikte zum Vorschein. Brett ist ständig auf der Suche nach einem neuen Mann, nur Jakob bleibt die Konstante in ihrem Leben. Ob er damit auf Dauer glücklich werden kann, zeigt sich am Ende des Romans, als er für sie mal wieder den Retter in der Not spielen soll.


Der Roman war einfach und schnell zu lesen, aber vor allem die Gespräche unterbrechen den Text oft auf unangenehme Weise. Eventuell liegt es daran, dass die Charaktere den Großteil des Romans betrunken sind und deshalb ihren eigenen Gedanken nicht ganz folgen können.

Mit der Begeisterung der Figuren für Stierkampf konnte ich leider gar nichts anfangen. Die Sinnlosigkeit und Brutalität der Kämpfe und vorangehenden Jagden durch die Stadt haben eher einen sehr negativen Eindruck bei mir hinterlassen.

Die Figur der Lady Ashley, unter Freunden Brett genannt, sehe ich sehr zwiespältig. Einerseits ist sie sehr feministisch und macht, worauf sie gerade Lust hat und vor allem schläft sie mit dem Mann auf den sie gerade Lust hat, andererseits wird sie dadurch eher noch unglücklicher und zerstört die Freundschaften in der Gruppe.

Grafik: Christina Koorman
Grafik: Christina Koorman
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